22.05.2026

Getränkt

Predigt zum Pfingstfest von P. Guido Dupont O.Cist.

Predigt zum Pfingstfest – A – Apg 2,1-11; 1 Kor 12,3b-7.12-13 u. Joh 20,19-23

 

Es gibt viele künstlerische Darstellungen, die das Pfingstereignis so zu zeigen versuchen, wie es die Apostelgeschichte des Lukas schildert. Da sieht man beispielsweise die Jünger im Abendmahlssaal, meist Maria in der Mitte. Sie beten miteinander. Über ihnen sieht man den Hl. Geist in der Gestalt einer Taube. Von ihr gehen Feuerzungen auf Maria und die Apostel herab. Das ist nur ein Beispiel. Aber wie will man das darstellen, was der Apostel Paulus im ersten Korintherbrief als Geistsendung skizziert? Da heißt es, wie es in der zweiten Lesung des Pfingsttages zu hören ist: „… und alle wurden mit dem einen Geist getränkt“ (1 Kor 12,13b). Bilder, die den Hl. Geist als Taube, als Sturmesbrausen, als Feuer zeigen, kennen wir. Aber „mit dem Geist getränkt“, was soll das sein? Und vor allem, was möchte Paulus gerade damit aussagen?

Schauen wir nach der Wortbedeutung von „tränken“. „Tränken“ bedeutet, so lese ich nach, Tieren Wasser oder eine andere Flüssigkeit zum Trinken zu geben, um ihren Durst zu stillen. Es kann aber auch bedeuten, dass man einen Gegenstand vollständig mit einer Flüssigkeit anreichert, um die Eigenschaften des Gegenstandes zu beeinflussen. Man „tränkt“ also entweder Lebewesen, um sie zu versorgen, oder Objekte, um ihre Eigenschaften zu verändern.

Wer schon einmal Zimmerleute bei der Arbeit beobachtet hat, oder andere Handwerker, wenn sie im Außenbereich mit Holz zugange sind, der wird wahrgenommen haben, dass das Holz irgendwie verändert ausgesehen hat. Klar! Damit der Werkstoff der Witterung oder besonderer Nutzung fähig ist, muss er auch besonders behandelt werden. Das Bauholz muss vor dem Faulen geschützt werden und dazu wird es mit speziellen Mitteln „getränkt“. Es wird „imprägniert“. Manchmal genügt es, das Holz in die spezielle Flüssigkeit hineinzulegen, damit es sich vollsaugen kann und so durchtränkt wird, oder das Imprägniermittel wird unter hohem Druck gewissermaßen bis zum Kern in das Holz hineingepresst.

Genauso müssen wir den Heiligen Geist und sein Wirken für uns Christen sehen: Wir müssen uns vom Gottesgeist bis in den Kern unserer Existenz tränken lassen. Ein bisschen christlich anpinseln ist zu wenig. Was nicht bis in den Kern durchtränkt ist, kann leicht faulen. Und faules Holz, faule Balken, tragen nicht und verlieren die Haltbarkeit. Sie zerfallen mit der Zeit.

Muss man deshalb nicht danach fragen, warum heutzutage bei uns Christen gerade in unseren Breiten, sprich, im reichen und liberalen Europa so manches faul ist. Liegt es vielleicht daran, dass nur die Oberfläche des Lebens ein wenig benetzt wird durch den Glauben? Heiligen Geist aus der Spraydose? Den gibt es nicht! Ich lese beim Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth sehr deutlich, womit wir uns tränken lassen müssen. Da ist zuerst das klare Bekenntnis zu Jesu Christus: Seine liebende Hingabe schenkt uns die Freiheit ohne Furcht allem Lebensbedrohlichen zu begegnen, denn in ihm ist der Tod überwunden. Da ist dann das gemeinsame Wissen darum, dass wir unser Erkennen, unser Sein und unsere Welt der Gnade Gottes verdanken und dass er jedem und jeder von uns Gaben und Fähigkeiten geschenkt hat, zum Dienst füreinander und zum Wohl der Welt als Auftrag der Gemeinde, der Kirche. Da sind die Kräfte dieser Welt, die Gott uns anvertraut hat, damit wir sie zum Guten nutzen und nicht zur Gewalt und zu Unterdrückung. Und da ist Weisheit und die Begabung zur Demut, in denen wir wiederum dankbar anerkennen müssen, dass die ganze Welt, die ganze Schöpfung und auch der Mensch von Gott als Einheit angelegt ist, zu seiner Verherrlichung und zur Lebensfülle jeglicher Existenz. In dem, was der Apostel hier anspricht, entfaltet sich das, was hineinführt ins Göttliche und wodurch alles zur Vollendung in der Ewigkeit gelangt. Das ist das Wirken des Heiligen Geistes. Er fügt alles zusammen und hält alles zusammen! Er macht tragfähig und haltbar und befähigt zu Größerem!

Nochmal: Kein Zaunpfahl wird überdauern, wenn man ihn mit schwarzem Tee oder mit Himbeerwasser tränkt und kein Balken hält schwierigen Witterungsbedingungen stand, wenn man ihn mit Coca-Cola übergießt. Will sagen: Der Durst des Menschen nach Leben und Anerkennung, nach Annahme und Liebe kann nicht mit irgendwelchen selbstgemachten Ersatzgetränken gestillt werden. Gott selbst gibt sich uns in seinem Geist und in der Liebe seines Sohnes als das Wasser des Lebens. Wir werden alle mit dem Heiligen Geist getränkt.

Was Paulus der Gemeinde in Korinth sagt, zeichnet das Johannesevangelium im Wort des Friedens und der Versöhnung nach. Der Auferstandene haucht uns mit dem Lebensatem Gottes, dem Heiligen Geist an, besser: So wie wir getränkt werden mit dem Heiligen Geist bis in den Kern unserer Existenz, so wird der Atem Gottes von Jesus in uns eingehaucht. Es gibt ein Gebet, das mit den Worten beginnt: „Atme in mir, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke…“ (Gotteslob Nr.7,2) und auch ein Lied: „Atme in uns, Heiliger Geist, …“ (Gotteslob Nr. 346) – Worte, die uns die spezielle Gabe des Geistes vor Augen führen. Wenn Gottes Atem zu meinem Atem wird, dann ist er in mir. Unser oft gehetztes, keuchendes Dahingejagtwerden kann so Kraft schöpfen im Atem Gottes. Wenn Gott in uns atmet, können wir gelassen und ohne Luftnot weitergehen und auch von diesem Atem weiterschenken. Ihn braucht die atemlose Welt.

Getränkt und durchwirkt von Gottes Geist können wir in Gott leben und mit ihm Alles zur Vollendung führen. In einem Text las ich, dass Pfingsten ein Fest ist, das keine Distanz duldet. Das ist wahr. Gott, so hieß es dort, Gott kommt uns hautnah auf den Leib, um uns seinen Geist zu geben. Abstand von ihm führt in den Staub, aus dem wir gemacht sind. Durchtränkt und durchwirkt von der lebensspendenden Gegenwart des Heiligen Geistes wird auch in uns und mit uns das „Angesicht der Erde erneuert“ wie es ein altes Pfingstgebet formuliert. Genau das ist es, was unsere Welt und auch wir so dringend brauchen:

  • Komm, du Geist durchdringe uns, komm du Geist, kehr bei uns ein. Komm, du Geist, belebe uns, wir ersehnen dich.
  • Komm, du Geist der Heiligkeit, komm, du Geist der Wahrheit. Komm, du Geist der Liebe, wir ersehnen dich.
  • Komm, du Geist, mach du uns eins, komm, du Geist, erfülle uns. Komm, du Geist und schaff uns neu, wir ersehnen dich.    (Gotteslob Nr. 346)

 

Ich wünsche uns den Geist Gottes und bleibt behütet!                                       

Ihr P. Guido

Zum Anfang der Seite springen