16.05.2026

Bete für mich!

Predigt zum 7. Ostersonntag von P. Guido Dupont O.Cist.

Es war bei einem Besuch im Krankenhaus. In dem der Patientenzimmer waren zwei Betten. Das eine war belegt, aber der Patient war nicht im Zimmer. Mit dem anderen Patienten kam ich ins Gespräch. Wir sprechen über dies und jenes und natürlich auch über das, was den Patienten in seiner Lebenssituation mit der angegriffenen Gesundheit bewegte. Als ich mich dann verabschieden wollte, sagte er zu mir: „Beten Sie für mich! Irgendwann habe ich aufgehört zu beten. Und jetzt kann ich es nicht mehr.“ –

Bete für mich!

Auf der Homepage unserer Abtei gibt es wie bei vielen Klöstern und auch bei manchen Pfarreien einen eigenen Link, über den man Gebetswünsche angeben kann. Bei uns ist es so, dass sie dann für uns Mönche als kleine Erinnerungszettel bereitliegen, und wir nehmen die Gebetsanliegen ins Chorgebet mit. Auch haben wir in der Abteikirche beim Gnadenbild der Schmerzhaften Gottesmutter ein Fürbittbuch ausliegen, in das man Gebetswünsche und Anliegen eintragen kann, die dann bei der Messfeier der Mönche mit ins Gebet genommen werden.

Bete für mich!

In vielen Diözesen gab und gibt es den Brauch, dass in den einzelnen Pfarreien oder an Kirchorten übers Jahr verteilt an bestimmten Tagen ein Gebetsdienst vor dem Allerheiligsten wahrgenommen wird. Man nennt diesen Brauch „Ewig Gebet“, der, wie ich weiß, leider an vielen Orten droht, wegen zu geringer Beteiligung in Vergessenheit zu geraten.

Bete für mich!

Wenn jemand diese Bitte äußert, dann schafft das eine ganz besondere Verpflichtung und auch Nähe. Das Gebet, das eigentlich jedem Glaubenden als selbstverständliche Kommunikation mit Gott geläufig sein sollte, ist dennoch für viele eine ungewohnte Übung. Wenn ich Kinder danach frage ob und wann sie beten, dann höre ich oft, dass nur abends vor dem Schlafengehen gebetet wird, wenn man bei der Oma zu Besuch ist. Ansonsten eben, wenn man mal in die Kirche zu einem Gottesdienst geht. Vor oder nach den Mahlzeiten eigentlich nur noch selten. Und Danken… viele sagen, dass sie ja sowieso alles selbst machen. Wozu sollten sie dann Gott danken?

Bete für mich!

Heute haben wir im Johannesevangelium einen Abschnitt aus einem besonderen Gebet Jesu gehört. Jesus ist vor seinem Tod mit den Jüngern im Abendmahlssaal zusammen und da betet er für sie. Gerade in diesem Gebet, das man das „hohepriesterliche Gebet“ nennt, denn Jesus spricht in ihm seine tiefe Verbundenheit mit dem Vater im Himmel und auch seine liebende Sorge für die Gemeinschaft derer aus, die mit ihm zusammen waren und auch im Innersten immer verbunden sein werden, gerade in diesem Gebet erleben wir in besonderer Weise, was für Jesus Gebet ist. Hier wird seine Beziehung zu Gott und in Gott wunderbar sichtbar. Wir können sehen, dass Jesus in einer unglaublichen Innerlichkeit und Intensität, die sein ganzes Sein durchwirkt, mit dem Vater sich austauscht. Jesus spricht aus, was ihn trägt und was sein Leben nicht nur ausmacht, sondern zutiefst ist: Das Sein in Gott! Hören wir noch einmal hin: „Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war“ (Joh 17,4-5). Wir dürfen begreifen, dass Jesus ganz und gar in der Realität der Gegenwart Gottes lebt und er ist wirklich der, der dessen Nahrung es ist, den Willen des Vaters zu tun (vgl. Joh 4,34).

Für uns, wie damals für die Jünger und die junge Kirche darf deutlich werden, dass diese radikale Gottverbundenheit Jesu, seine innige Beziehung zum Vater keineswegs Selbstzweck ist, sondern ein Beziehungs-Geschehen, in das Jesus alle einbe­zieht, die mit ihm verbunden sind und auch zukünftig mit ihm verbunden sein werden. So richtet er im Gebet nicht nur den Blick auf sich und seine Beziehung zum Vater, son­dern er bezieht ausdrücklich alle mit ein, die mit ihm in Beziehung stehen oder ste­hen werden. Und noch mehr: Wenn diese Verbundenheit Gottes mit seinem Sohn so intensiv ist, dann gilt diese Intensität auch für die Beziehung zwischen Jesus und sei­nen Jüngern. In ihnen weiß sich Jesus – trotz aller so offensichtlichen menschlichen Brüche und Unvollkommenheiten – verherrlicht.

Noch einmal wird im Bewusstsein des Weges, den Jesus nun gehen wird, deutlich, wie sehr sich Jesus mit den Seinen verbunden weiß, noch mehr, wie sehr ihm die Sei­nen tatsächlich am Herzen liegen. Es wird deutlich, wie sehr sich Jesus danach sehnt, dass die Jünger und damit auch wir, dem Weg, den er aufgezeigt hat, treu bleiben mögen, um mit ihm am Ende in die Herrlichkeit des Vaters zu gelangen.

Bete für mich!

Mit dieser Bitte habe ich meine Überlegungen zum heutigen Evangelium begonnen. Mit dem, was wir in den wunderbaren Worten Jesu gehört haben, darf uns bewusstwerden, welch ein kostbares Zeugnis uns wie den Jünger hier zugesprochen ist. Jesus betet ausdrücklich für die Seinen. So mag sein Gebet das Gebet werden, das unsere eigenen Sprachlo­sigkeiten gegenüber Gott überwindet, das trotz unserer eigenen Nachlässigkeit und Müdigkeit, Gott an­zureden und anzusprechen, uns und unsere und ebenso unserer Mitmenschen Nöte vor Gott ins Gebet bringt. Wie Menschen einander manchmal um ein Gebet bitten, so mögen wir selbst immer wie­der aufs Neue auch daraus Kraft zum Beten schöpfen, dass Jesus selbst uns hineinnimmt in sein Beten; und so mag auch unser inneres Stammeln genügen, das verzweifelt ruft:

Bete du, Herr, für mich!

Denn es ist im Heiligen Geist Jesus selbst, der, wie der Apostel Paulus im Römerbrief sagt, sich unserer Schwachheit annimmt, weil wir nicht wissen, wie wir in rechter Weise beten sollen. Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht (vgl. Röm 8,26-30).

 

Seien Sie in der Liebe des Herrn gesegnet und behütet!                                     

Ihr P. Guido

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