Wir zogen zur Mutter der Gnaden
Genauer gesagt zogen wir ja eigentlich gleich zwei Mal zur Mutter der Gnaden, also zu Maria: Einmal durch den Gang nach Marienthal (AK) und von dort dann zurück nach Marienstatt. Doch der Reihe nach.
Viele, viele Jahre schon ist es Tradition, dass am Himmelfahrtstag die Wallfahrt von Marienstatt nach Marienthal stattfindet. Das war schon in der früheren Pfarrei Marienstatt üblich, jedoch bestehen Verbindungen zwischen der Abtei Marienstatt und dem früheren Franziskanerkloster in Marienthal bereits seit dessen Gründung im 18. Jahrhundert, als es die Pfarrei Marienstatt noch gar nicht gab. Heute kündet ein Marienwanderweg durch das Nistertal davon.
Und so ging es auch in diesem Jahr wieder los - lange vor dem Himmelfahrtstag, denn eine Wallfahrt will geplant werden, auch wenn sich über die Jahrzehnte viele Routinen eingeschliffen haben. Der Wetterwechsel im Mai machte dabei früh Sorgen: Es wird doch nicht etwa...?
Die Vorhersagen sahen dann auch tatsächlich schlecht aus, weswegen die begleitende Fahrradwallfahrt auch vorsichtshalber abgesagt wurde. Da man zu Fuß bekanntlich den sichersten Stand auf dem Erdboden hat, fand aber die Fußwallfahrt trotzdem statt - nur der Gottesdienst am Außenaltar wurde schon vorab in die Klosterkirche verlegt.
Pünktlich um 6 Uhr wurden die Pilger von Abt Ignatius persönlich ausgesandt. Er ließ es sich auch nicht nehmen, die Pilgergruppe bis zur ersten Weggabelung zu begleiten. Die Sorgen um die Witterung hatten die Gruppe in diesem Jahr arg zusammengeschmolzen, aber immerhin noch 70 Gläubige machten sich auf den Weg, begleitet in bewährter Weise vom Blasorchester Marienstatt. Gleich zu Beginn setzte ein leichter Nieselregen ein, der alles zu bestätigen schien - doch schnell verzogen sich die Regenwolken und kamen dann auch zumindest während der Wallfahrt nicht mehr zurück.
In guter Gemeinschaft unterwegs
Ab Astert geht der Weg dann bis kurz vor dem Ziel über die Straße - stets gut abgesichert von den begleitenden Streckenposten und dem Malteser Hilfsdienst. Auf Astert folgt Heuzert, danach geht es hinauf nach Kroppach und Giesenhausen. Dann ist man sozusagen "oben" und der Rest der Strecke erfolgt auf ebenem Pfad. Die Rast kurz vor Eichelhardt wurde wegen ungemütlicher Bedingungen etwas abgekürzt, es regnete zwar nicht, dafür aber pfiff ein recht kühler Wind, der in Bewegung bekanntlich leichter auszuhalten ist. In jedem der Dörfer wurde die Wallfahrt wie üblich durch weitere Pilger verstärkt, sei es durch Bewohner oder solche, die einen späteren Einstieg in die Wallfahrt wählen. Erfreulicherweise waren auch dieses Mal wieder eine Reihe von Familien mit jüngeren Kindern dabei - etliche von ihnen aus dem Kreis der Marienstatter Messdiener.
Kurz vor zehn Uhr erreichte die Pilgergruppe dann Marienthal und konnte bei Glockengeläut und strahlendem Sonnenschein singend zur Wallfahrtskirche ziehen. Der Weg war ohne außergewöhnliche Beschwernisse geschafft und der Sonnenschein von blauem Himmel fühlte sich schon ein bißchen wie eine Belohnung an.
Der Himmel ist offen
Der Festgottesdienst war für 10:15 Uhr angesetzt und konnte auch fast pünktlich begonnen werden. Obwohl es schon viele Jahre nicht mehr nötig gewesen war, den Gottesdienst in der Kirche zu halten, organisierte sich die Gruppe recht schnell. Das Blasorchester begleitete die Messe von der Empore aus, die zahlreichen Messdiener fanden im Altarraum Platz. Da die Messe immer auch vor Ort angekündigt ist, kommen nicht nur die zahlreichen Autopilger aus der Hachenburger und Marienstätter Gegend, sondern auch weitere Gläubige aus dem Umkreis. Das Küsterteam aus Marienthal, das sich aus Ehrenamtlichen zusammensetzt und dort auch durch das Jahr die Kirche als ein Ort des Gebets aufrecht erhält, hatte in weiser Vorraussicht zusätzliche Bänke an den Wänden aufgestellt, die auch sämtlich gebraucht wurden. Es war, wie man so schön sagt, brechend voll.
Die Predigt sprach vom Wagnis Gottes, den Menschen als sein Abbild geschaffen zu haben, diesen Menschen in seiner Freiheit zu achten und doch zugleich immer wieder von einem Weg mit seinem Schöpfer überzeugen zu wollen. Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus stellt den Höhepunkt des göttlichen Werbens um den Menschen vor. Er ist der Garant eines offenen Himmels. Dass er seine Jünger und in deren Nachfolge uns in die Welt sendet, ist da nur folgerichtig: Wenn der Himmel offen ist, sollten es alle wissen.
Nach der Messe findet traditionell der Kreuzweg statt. Außerdem bedarf es natürlich nach der geistigen auch einer leiblichen Stärkung. Die Marienthaler Gasthöfe boten wie jedes Jahr hierzu Buffets an.
Und zurück
Nach der Schlussandacht um 14 Uhr geht es dann zurück - denn wir erinnern uns: Eigentlich sind es zwei Wallfahrten. Nun war das Ziel das Gnadenbild von Marienstatt. Und wieder war uns das Wetter hold: Lange Zeit hielt sich sogar die Sonne über uns, wobei man rechts und links des Horizonts die Niederschläge beobachten konnte. Vor Kroppach schien sich dann auch bei uns ein Gewitter mit sehr dunklen Wolken anzukündigen. Aber, dank sei Gott, die dunkle Wolke zog stets voraus und bei uns blieb es trocken.
So erreichten wir glücklich kurz nach 18 Uhr wieder Marienstatt. Unter Geläut, Blas- und Orgelmusik zogen wir in die Basilika ein, wo zum Abschluss das "Großer Gott" ertönte und der Sakramentale Segen gespendet wurde.
Trotz ungünstiger Wettervorhersage und mancher dunklen Wolke hatten wir so glücklich hin- und wieder zurückgefunden und trotz womöglich schmerzender Muskeln eine wunderbare Wallfahrt erlebt. Es ist vielleicht diese Mischung, die einem das noch einmal besonders aufgehen lässt. Auf diese Weise reich beschenkt, konnte man anschließend nach Hause zurückkehren, nicht ohne dem Brauhaus noch einen Besuch abzustatten. Just dort angekommen kam der Regen - und bescherte uns als Abschlussgeschenk den Regenbogen im Bild am Ende des Artikels.
Dank
Ohne viele helfende Hände wird eine solche Wallfahrt nichts. So danken wir besonders dem Marienstätter Blasorchester, den Vorbeterinnen und Vorbetern, den Ministranten, dem Träger der Lautsprecheranlage (hin- und zurück!), den Streckenposten und dem Malteser Hilfsdienst und dem Küsterteam in Marienthal. Vergelt's Gott!