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Himmliches und Irdisches...

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© Rudi Grabowski
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Predigt zum Fest Allerheiligen – Offb 7, 2-4.9-14 und Mt 5, 1-12a

Dieses Fest lässt uns an jene denken, die bei Gott endgültig angekommen, die „selig“ sind, die wir die „Heiligen“ nennen. Entstanden ist es aus einem Gedenktag an die Blutzeugen der jungen Kirche aus den ersten Jahrhunderten, der in der Osteroktav gefeiert wurde. Im 9. Jahrhundert wurde es dann als allgemeiner Festtag auf den 1. November festgelegt. Insbesondere die Lesung des Festtages aus der Offenbarung des Johannes lässt uns in gewaltigen Bildern die „große Schar“, die „in weißen Gewändern und mit Palmzweigen in den Händen vor dem Thron und vor dem Lamm stehen“ vor unseren Augen lebendig werden (vgl. Offb 7,9). Es ist eine Besonderheit des Letzten Buches des Neuen Testamentes, dass in ihm Irdisches und Himmlisches, wirklich Erfahrbares und Visionäres, in einer eigentümlichen und manchmal schwer verständlichen Bildersprache gerade für uns Heutige dargestellt wird. Da ist zuerst die Rede von den „vier Engeln, denen die Macht gegeben ist, dem Land und dem Meer Schaden zuzufügen“ (Offb 7,2f). Sie sind die Boten der Endzeit. Gerade werden sie noch von einem anderen Gottesboten zurückgehalten, weil er zuvor die Auserwählten „mit dem Siegel Gottes kennzeichnen soll“. „Hundertvierundvierzigtausend“ sind es: dabei ist die Zahl Zwölf als heilige Zahl der Vollendung mit sich selbst und dann noch einmal mit dem Mengensymbol tausend multipliziert um deutlich zu machen, dass die Vollzahl der Auserwählten erreicht, dass in der prophetischen Vision die Menschheitsgeschichte an ihr Ziel, tatsächlich am Ende angekommen ist.

Die Offenbarung des Johannes ist für die Christen, die von ihm diese Visionen in der schrecklichen Situation der Verfolgung und Not erhalten haben, ein Ausblick auf das Ende aller Dinge und gleichzeitig Ermutigung für das Heute. Es ist ein Trost- und Hoffnungsbuch. Das Irdische und Vergängliche siegt nicht. Das Himmlische wird bestehen. Das ist belegt durch die Geschichte aller, die mit Gott verbunden waren. Das Siegel ist das Zeichen der Verbundenheit.

Mit dem Siegel Gottes gekennzeichnet sein, das erinnert an das Blutzeichen auf den Haustüren im Zusammenhang mit der Befreiung des Gottesvolkes aus der ägyptischen Unterdrückung (vgl. Ex 12). Es erinnert ebenso an den Propheten Ezechiel, der ein Strafgericht über Jerusalem ankündigt und davon spricht, dass, bevor es vollzogen wird, ein Mann durch die Stadt geht und im Auftrag Gottes alle „Frommen“ mit einem „Taw“, dem letzten Buchstaben des hebräischen Alphabetes kennzeichnet, um so zu zeigen, wer gerettet werden soll (vgl. Ez 9).

Das „Siegel Gottes“ ist das Zugehörigkeitszeichen, das – wenn man es so sagen will – Eigentumszeichen Gottes. Es meint, zum lebendigen Gott gehören und unter seinem Schutz zu stehen; bei aller Bedrängnis und Gefährdung die Gewissheit zu haben: Ich werde nicht untergehen, ich bin in Gottes Hand gehalten. Er ist stärker als alle Chaosmächte.

Wenn wir danach fragen, was das für uns heute bedeuten kann, dann werden wir schnell verstehen, dass sich dieses Zeichen nicht nur auf jene bezieht, die schon bei Gott in der Vollendung angekommen sind, die vielen auch Unbekannten, die im Heil sind. Auch wir tragen seit unserer Taufe und verstärkt durch die Firmung das Zeichen Gottes in und auf uns. Denken wir auch daran, wie oft wir schon mit dem Zeichen des Kreuzes bezeichnet wurden und uns selbst bezeichnet haben und uns bezeichnen. Dieses Siegel sagt, dass wir Anteil haben an Jesus Christus, weil er das lebendige Urzeichen Gottes ist. Wir haben Anteil an seinem Weg und das bedeutet, dass auch unser Leben durch alle Bedrängnisse hindurch bei Gott ankommen soll und geborgen ist.

So verstanden ist das Fest „Allerheiligen“ nicht nur ein Fest, das über die Welt hinausschauen lässt. Es ist nicht nur ein Gedenktag der glücklich Vollendeten. Es feiert auch all jene, die noch auf dem Weg sind. Und das sind wir! Es feiert uns alle, die wir mit dem Siegel des Glaubens bezeichnet sind, und die wir mit unseren bei Gott angekommenen Schwestern und Brüdern eine große Familie bilden.

Himmlisches und Irdisches kommt zusammen. Das Siegel bedeutet Ankommen und auf dem Weg sein. Auf dem Weg sein, braucht Hilfe, braucht Anregung und eventuell ein Programm, das die Richtung nicht aus den Augen verliert. In aller Kürze und mit äußerster Prägnanz finden wir das in den „Seligpreisungen“, die wir als Evangelium heute hören. Es ist das, was Jesus uns zu leben vorschlägt. Dass er dieses Programm mit Glückwünschen verbindet, macht deutlich, wie er Irdisches und Himmlisches verknüpft und von Gott her eine positive Motivation zur Veränderung der Welt hin zum Reich Gottes schafft. In Anlehnung an einen kleinen Text des Priesters und Dichtes Martin Gutl (1942-1994) könnte man die Seligpreisungen so interpretieren und weiterdenken:

  • Endlich einer, der sagt: „Selig die Armen!“ und nicht: „Nur Geld macht glücklich!“
  • Endlich einer, der sagt: „Liebe deine Feinde!“ und nicht: „Setz dich durch und mach die anderen fertig!“
  • Endlich einer, der sagt: „Selig, wenn man euch verfolgt!“ und nicht: „Pass dich immer an! Und schleim dich ein!“
  • Endlich einer, der sagt: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt!“ und nicht: „Hauptsache, Karriere und vorwärtskommen!“
  • Endlich einer, der sagt: „Der Erste soll der Diener aller sein!“ und nicht: „Verkauf dich nicht unter Wert!“
  • Endlich einer, der sagt: „Wer an mich glaubt, wird leben in Ewigkeit!“ und nicht: „Was tot ist, ist tot!“

Wir tragen das Siegel des lebendigen Gottes. In der Lebenshingabe Jesu wurden wir bereitet und sind wir ermutigt, als seine Kinder zu Gott hinzutreten, um uns für immer in ihm zu freuen.

Seien Sie gesegnet und behütet und bleiben Sie gesund!            Ihr P. Guido

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