06.02.2026

Mit euren Möglichkeiten

Predigt zum 5. Sonntag im Jahreskreis von P. Guido Dupont O.Cist

Predigt zum 5. Sonntag im Jahreskreis – A – Jes 58, 6a.7-10;  1 Kor 2,1-5 u. Mt 5,13-16

 

„Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt“. Jesus spricht diese Worte nach dem Evangelisten Matthäus an alle jene Menschen, die gekommen sind, um ihn zu hören – auf dem Berg heißt es – also in der Nähe Gottes. Jesus weiß: Die da vor ihm sitzen, um sein Wort zu hören, das sind nicht die Reichen, das sind nicht die vom Erfolg Verwöhnten oder Großen der Welt. Es sind die kleinen Leute. Jene, die nichts haben und nichts sind, jene die tagtäglich um das Wenige kämpfen müssen, das gerade ausreicht, die Familie zu ernähren, die oft so verzweifelt sind, dass sie alles von Gott erwarten und erhoffen müssen, weil sie sonst keine Hoffnung haben. Aber es geht nicht um billige Vertröstung, sondern um Tieferes. Sie sind es, die Gottes und damit seinen Trost und seine Hilfe wirklich brauchen. Deshalb sagt er ihnen diesen Trost auch zu. Wenn sie von ihm weggehen, dann sollen sie froh und getröstet weggehen – und mit Frieden in ihrem Herzen, so wie ich es letzten Sonntag aus einem Roman des Schriftstellers Joseph Roth von der verzweifelten Frau Mendel mit ihrem behinderten Sohn Menuchim sagte: „Gnade im Herzen kehrte sie heim.“ Und dann wendet sich Jesus noch einmal an diese Menschen – und er sagt ihnen nicht: Gott weiß, dass es euch nicht gut geht, er wird’s schon richten und alles „großartig machen“, damit euer Leben besser und sorgenfrei wird. –

Jesus sagt: Ihr seid selbst das Licht, das die Welt hell machen kann. Ihr seid selbst das Salz der Erde, das dem Leben Geschmack verleihen kann. Ihr seid selbst wie eine Stadt auf dem Berg, die so faszinierend sein kann, dass man unbedingt dorthin will, um sie zu sehen. Ja, er sagt: Ihr seid das! Ihr könnt das! So wie ihr seid – und mit euren Möglichkeiten, die ihr jetzt habt!  Wirklich interessant! Müsste man da nicht fragen: Wenn diese Menschen selbst so hilfsbedürftig sind, wie sollen sie dann den anderen helfen? Wenn sie Gott schon so sehr brauchen, wie können sie dann etwas für andere tun? Sie haben doch nichts! Aber haben sie wirklich nichts, überhaupt nichts?

Ihr seid das Salz der Erde, sagt Jesus. Ihr seid das Licht der Welt - mit dem, was ihr könnt; mit dem, was Euch geschenkt ist, mit dem, was in euch steckt – von Gott her. Das ist es! Von Gott her! Macht euch doch bewusst: Gott hat euch geschaffen als sein Abbild. Also steckt in euch göttliches Vermögen, seine Kraft! Und wir begreifen: Jesus will dazu ermutigen, das, was von Gott her im Menschen steckt, auch im Sinne Gottes zu gebrauchen. Und wir müssen deshalb fragen: Wenn das so ist, wie geht das dann, Licht zu sein? Wie kann man Salz für die Erde sein? Wie kann man etwas tun, was anderen zu mehr Leben verhilft? Denn das ist es ja, was das Salz ausmacht: Nicht nur Würze, sondern Lebensnotwendiges! Und noch mehr: Das Licht! Denn ohne Licht wird nichts!

Die Antwort: Hier geht es nicht um Wunder oder um ein Aushebeln der natürlichen Vorgänge. Es geht auch nicht um Zauberei a la Harry Potter – sondern hier geht es um das, was „Menschen möglich ist“. Um das, was jeder Mensch tun kann, jeder Mensch, der ein Herz hat, der lieben und fühlen kann.

In der Lesung aus dem Propheten Jesaja haben wir gehört, wie dieses Licht-Sein, das Salz-Sein aussehen kann.  Mit dem das Brot teilen, der noch weniger hat als man selbst. Dem noch was zum Anziehen zu geben, der sonst gar nichts hat und nackt ist. Und den nicht im Stich lassen, der sonst verloren wäre – und da genügt manchmal schon ein gutes Wort oder ein bisschen Zeit zu haben – und mal jemandem geduldig zuzuhören…. Kleine Dinge, die ein ganzen Leben hell machen können und die wieder leben lassen, wie Licht, das wir zum Leben brauchen.
Und dieses Licht, so sagt Jesus, das seid IHR. Dieses Salz, das das Leben wieder schmackhaft macht, das seid IHR für die Welt. Genau das könnt ihr! Die Seligpreisungen des Herrn sind Zusage und Aufforderung; sie sind Vergewisserung der Gabe Gottes und Aufruf seine Gnade, seine Liebe in unserem Leben Gestalt werden zu lassen.

Und deshalb: Jammert nicht nur rum, sondern handelt! Tut die guten Werke, damit alle sie sehen – aber nicht, damit die Leute Euch preisen, sondern damit sie Euren Vater im Himmel preisen. Jesus erinnert die Menschen daran, was von Gott in ihnen, in jedem steckt. Die Leute sollen spüren: Wenn sie Euch begegnen, dann begegnen sie Gott.

Er, der euch geschaffen hat, gibt euch alles, was ihr braucht, und so ist auch Gott in euch und in dem, was ihr mit ihm tut! So wie ihr liebevoll, barmherzig und friedfertig mit den Menschen umgeht, genau so macht das auch Gott. Und wer Euch begegnet, der wird Gott dafür preisen, dass es Euch gibt und ihn. Aber nicht, weil ihr so spektakulär, so erfolgreich und so ganz oben seid, sondern weil ihr so liebevoll, so barmherzig und so menschenfreundlich seid – eben, so wie Gott es ist. Und gleichzeitig wird auch – weil ihr gut zueinander seid – eure eigene Not verwandelt und verändert. Wie heißt es im Sprichwort auch wenn das hier nur sinngemäß passt: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Geteilte Freude ist doppelte Freude!

Beim Propheten Sacharja (8,23) steht ein Wort, das mir hier in den Sinn kommt. Da heißt es: „So spricht der HERR der Heerscharen: In jenen Tagen werden zehn Männer aus Nationen aller Sprachen einen Mann aus Juda an seinem Gewand fassen, ihn festhalten und sagen: Wir wollen mit euch gehen; denn wir haben gehört: Gott ist mit euch.“

Das, was Jesus den Menschen selbst zeigt, das sollen sie auch sein. Ihr seid das Licht der Welt! Ihr seid das Salz der Erde! Und genau das ist es auch, was Jesus uns ans Herz legt, dass wir durch unser Sein gewissermaßen Gott und seine Liebe auch in unseren Tagen präsentieren, damit die Welt einen neuen Weg zu Gott und damit auch zum Menschen findet.

 

Er stärke uns mit seinem Geist dazu und bleibt behütet!                        

Euer P. Guido

 

 

 

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