Immer ein Weg mit Gott

Predigt zum 2. Fastensonntag von P. Guido Dupont

Predigt zum 2. Fastensonntag – A – Gen 12,1-4a; 2 Tim 1,8b-10 u. Mt 17,1-9

Das kennen wir doch auch: Da war etwas, eine Begebenheit, eine Situation, ein Schicksalsschlag im Leben, die hat mich beeindruckt, negativ vielleicht, eventuell eine Krankheit, oder positiv betrachtet, ein glückliches Erlebnis, eine Begegnung mit Menschen, ein Moment, in dem ich plötzlich verstanden habe und mir die Erkenntnis geschenkt wurde, wie es mit meinem Leben ist und es weitergehen kann… Und dann frage ich mich: Wie kann ich das mit denen, die mir wichtig sind teilen und mir selbst und anderen damit klar machen? Ganz gleich, wie ich versuche, das Erfahrene und Erlebte zu vermitteln, ich stoße an Grenzen. Manche dieser Grenzen, seien sie sprachlich oder bildhaft, sind sogar so groß, dass man sich, wenn man sie doch zu überwinden sucht, lächerlich macht in den Augen der anderen. Ganz ehrlich: Haben Sie schon einmal den Versuch unternommen, anderen ein Gefühl dafür zu geben, was Schmerzen mit ihnen machen? Oder haben sie die Erfahrungen der Freude und des Glückes im tiefsten Inneren wirklich mit jemand teilen können?

Im Zusammensein mit Jesus gab es für seine Freunde, die Jünger, auch Augenblicke der Erkenntnis. Von einem solchen Augenblick haben wir eben im Evangelium gehört. Der Evangelist Matthäus – er war ja selbst nicht dabei – versucht, in den Bildern seiner Zeit diesen Augenblick, und was in ihm steckt, zu vermitteln. Dabei müssen wir wissen: Was er aufschreibt, ist durch die wichtigste Erfahrung der Jünger geprägt und geformt, durch die Auferstehung Jesu, durch Ostern!

Im Mittelpunkt des Evangeliums steht, was Matthäus die Verwandlung Jesu nennt und die Erscheinung Gottes in der Wolke. Als Handlungsort wählt Matthäus einen Berg, auf den sich Jesus mit Petrus, Jakobus und Johannes zurückzieht. Vor den Augen seiner Jünger verwandelt er sich und wird zu einer Lichtgestalt, die nur noch in der Dimension des „himmlischen“ beschrieben werden kann – „sein Gesicht leuchtete wie die Sonne“ hieß es da (vgl. Mt 17,2). Diese himmlische Dimension findet durch die Erscheinung von Mose und Elija Unterstützung. Beide sind, so schildern es die Erzählungen des Alten Testamentes, zu Gott in die Vollendung gegangen, haben so einen besonderen Bezug zum Göttlichen und nehmen jetzt Kontakt zu Jesus auf. Mose und Elija stehen für die Weisung Gottes, für das Gesetz und die Propheten und für seine Verheißung an die Menschen guten Willens. Jesus wird in der Erzählung des Matthäus als derjenige geschildert und uns vor Augen gestellt, der all das vollendet, was Mose und Elija begonnen haben. Mit Jesus ist die Prophezeiung des kommenden Messias erfüllt, denn Jesus ist es, der das Gesetz erfüllt. Gewissermaßen zur Absicher­ung seiner Aussage fügt der Evangelist noch die Wolke hinzu, die sich über dem Berg absenkt. Sie lässt vor den Augen der Zuhörer die Wolke sichtbar werden, die auf dem Wüstenweg der Befreiung Israels die Anwesenheit Gottes sichtbar machte und ist so ein Zeichen für die Gegenwart Gottes. Damit allein noch nicht genug: Aus der Wolke spricht eine Stimme und verdeutlicht noch einmal, wer Jesus wirklich ist: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe." Es sind genau diese Worte, die wir auch bei der Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer als göttliche Offenbarung finden. War das die entscheidende Botschaft des Evangeliums? Ist das die Zielrichtung der Botschaft des Matthäus? Das kann nicht sein! Diese besonderen Augenblicke sind nicht festzuhalten. Da kann man keine Hütten bauen, die das Besondere konservieren könnten. (Vgl. Mt 17,4).

Die Jünger Petrus, Johannes und Jakobus sind jedenfalls so verstört, dass sie sich aus Angst zu Boden werfen. Jesus muss sie erst wieder aufrichten und den Boden der Realität holen. Er richtet sie auf und er führt sie zurück ins normale Leben. Bevor er dies macht, verhängt er ein Schweigegebot: Sie dürfen nicht sagen, was sie auf dem Berg erfahren haben, denn der gewaltige Eindruck der Erfahrung könnte verhindern, dass sie sich zuerst im Herzen verwurzeln muss. Das Erfahrene muss erst in die Tiefe der Seele gelangen.

Zum einen also ist da die Möglichkeit tiefgehender Erkenntnis – das ist die Verwandlung Jesu und der Einbruch des Göttlichen in die Welt der Zeugen – und die andere Seite ist die Realität der Anwesenheit Jesu und der normale Weg des Lebens durch die Jünger mit Jesus. Wenn wir danach fragen, was die Botschaft des Evangeliums für uns sein kann, dann bleibt nur eines: Matthäus hebt die Bedeutung Jesu hervor und verdichtet diese Bedeutung. In ihm begegnen die Jünger Gott selbst. Alles, was geschieht und geschehen wird, findet in der Gemeinschaft mit ihm einen guten Weg und ein gutes Ende. Der Weg nach Jerusalem, der Weg in den Tod am Kreuz, der Weg in das neue Leben an Ostern, der persönliche Weg der Jünger, der Weg der Kirche, unser Weg… in der Gemeinschaft mit Jesus wird er immer ein Weg mit Gott sein. Wirklich mit Jesus zu leben, führt zum Ziel.

Es ist wahr: Erst muss ich innerlich eine Sicherheit finden, dass die Erkenntnis der Göttlichkeit und unverbrüchlichen Nähe Jesu unvergleichlich kostbar ist für mich, so kostbar und wichtig, dass ich unbedingt darauf meinen Weg, mein Leben, aufbauen will. Wenn man das Zeugnis der Evangelien ernst nimmt, dann brauchten die Jünger für diese angesprochene innere Gewissheit bis zum Pfingstfest. Erst da haben sie im Geist Gottes begriffen, dass Jesus und in ihm Gott immer bei ihnen ist und bleibt. Erst da waren sie bereit auch gegen Widerstände, bis in Verfolgung und bis zum eigenen Tod hin öffentlich zu sagen, wer Jesus für sie war und ist.

Das heißt: Der Boden der Wirklichkeit, auf den Jesus auch uns holen will, ist der, dass wir endlich begreifen, ohne ihn und seine Nähe können wir nicht leben und das Leben finden. Keine verklärte Erinnerung oder Vision ist der Weg und das Ziel, sondern das Leben aus Gott und mit ihm zu sein auf dem Weg unseres Lebens führt uns zur Vollendung dieses Lebens in die Gemeinschaft des Himmels. Denken wir an das Wort der Mahnung des Apostels Paulus, der der Gemeinde in Korinth zuruft: „Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch, dass ihr seine Gnade nicht vergebens empfangt. Denn es heißt: Zur Zeit der Gnade habe ich dich erhört, am Tag der Rettung habe ich dir geholfen. Siehe, jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung“ (2 Kor 6,1-2 – aus der Lesung zum Aschermittwoch).

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit und bleibt behütet!                 

Ihr P. Guido

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