09.01.2026
Ein wirkmächtiges Zeichen der Liebe
Predigt zum Fest der Taufe des Herrn – A – Jes 42,5a.1-4.6-7; Apg 10,34-38 u. Mt 3,13-17
Wir feiern das Fest der Taufe des Herrn. Das lässt mich danach fragen, welches Verständnis wir von der „Taufe“ überhaupt haben. Zunächst: Die Taufe des Johannes und das Sakrament der Taufe unterscheiden sich. Die Taufe des Johannes ist mehr eine Art Zeichenhandlung der Umkehr. Das sei kurz erklärt: Nun, da ist zum einen der Täufer Johannes selbst als prophetischer Zeuge. Er soll die Menschen zur Umkehr rufen. So haben wir ihn vor Augen: Ein asketischer Mensch, der auffällig gekleidet ist, sich abweichend von seinen Zeitgenossen ernährt und offensichtlich beeindruckend stimmgewaltig. Da ist zum andern sein manchmal harscher Aufruf und Appell sich von Sünden ab- und Gott neu zuzuwenden und das, was von Gott und seinem Weg trennt, die Sünde, zu bekennen und sich dann als Zeichen für den neu zu begehenden Weg des Glaubens mit Wasser übergießen zu lassen (vgl. Mt 3,1-12; Mk 1,1-9; Lk 3,1-20; Joh 1,19-34). Die Umkehr-Taufe des Johannes kann man im Grunde als prozesshaftes Geschehen verstehen, das als Ergebnis einen Anfangsimpuls für eine neue und vertiefte Art des Glaubens schenkt. Wie ein guter Gärtner hat Johannes die Pflanzen mit seinen starken Worten vom Wildwuchs und von Fehlentwicklungen gereinigt und dann übergießt er sie im Zeichen der Umkehrtaufe mit neuer Lebenskraft. Das Leben soll neu ausgerichtet werden hin auf Gott und soll so fruchtbar werden. Die Umkehrtaufe des Johannes initiiert einen Prozess der Lebensumkehr hin zu Gott.
Das Evangelium spricht davon, dass Jesus sich in die Reihe derer stellt, die von Johannes getauft werden wollen. Hat Jesus das nötig? Nein! Er hat sich ja nicht, wie die anderen in der Reihe, von Gott abgewandt. Vielmehr ist er doch selbst die lebendige Verbindung zu Gott. Was also bedeutet sein Tun? Mit Blick auf das, was sein Auftrag ist – „die Gerechtigkeit Gottes erfüllen“ (vgl. Mt 3,15) – die Trennung von Gott durch die Sünde, die Abkehr von Gott, völlig zu überwinden – stellt er, der Unschuldige, sich in die Reihe der Sünder. Als Mensch unter Menschen ist Jesus bereit, für seinen Auftrag sich ganz einzusetzen. Damit hat Jesus seinen göttlichen Auftrag erkannt und erfährt in seinem Tun die Bestätigung von Gott: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ (Mt 3,17). Gott will durch Jesus etwas Neues für die Menschen.
Die durch Jesus und seine Erwählung entstandene Gemeinschaft der Glaubenden – beginnend bei den Jüngern und den Frauen, die mit Jesus durch das Land zogen – die Kirche also, hat in Jesu Auftrag zur Taufe (vgl. Mt 28,19f) für alle Menschen das Neue von Gott her darin gesehen, dass die Taufe als „Sakrament“ – als wirkmächtiges Zeichen der Liebe – alle Getauften Jesu Handeln gleich, der kommenden Gottesherrschaft unterstellt und sie damit in eine neue Beziehung zu Gott nimmt. Ist also die Taufe des Johannes so etwas wie ein Wegzeichen und Impulsgeber für den Glauben an Gott, so ist die Taufe, zu deren Spendung Jesus befähigt und beauftragt, Teilhabe an Jesus selbst: Durch die Taufe werden wir als Brüder und Schwestern Jesu eingesetzt. Wer getauft wird, wird nicht einfach nur mit Wasser zur Umkehr und Reinigung von den Sünden übergossen, obwohl natürlich Wasser ein Zeichen der Taufe ist, da wird nicht wie beim Täufer Johannes die vorhandene Lebenskraft des Glaubens geweckt, sondern der Getaufte wird hineingenommen in das, was in Gott ist, in seinen Geist und damit in Gottes eigene innerste Beziehungswirklichkeit; hineingenommen in jene Kraft, jene Wirklichkeit Gottes, in den Geist Gottes, der von Anfang der Schöpfung an aus dem Nichts alles gestaltet, alles ordnet, alles in Beziehung setzt zu Gott selbst und so alles in Gott, in sein Leben und seine Lebensfülle hineinholt. Das Sakrament der Taufe ist Neuschöpfung und Verwandlung des Menschen. Deshalb sagt Paulus mit Recht im 2. Korintherbrief: „Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.“ (2Kor 2,17; vgl. Röm 6,4; Gal 6,15; Offb 21,5). Wer also getauft wird, ist neu geschaffen und hineingenommen in das Leben Jesu, auch in sein Leiden und seine Auferstehung, hinein in den dreifaltigen Gott. Das Sakrament der Taufe macht uns zu Brüdern und Schwestern Jesu, zu Töchtern und Söhnen Gottes. Sie ist damit die Grundlage des Lebens in der Nachfolge Jesu Christi. Man kann es auch so beschreiben: Das Sakrament der Taufe macht aus Bundespartnern und Freunden Gottes seine Familie. Dazu gehört allerdings als Vorbedingung die tatsächliche Bereitschaft sich so verwandeln und in die tiefe Beziehung und Neuschöpfung in die Gemeinschaft mit Gott einfügen zu lassen. Diese Bereitschaft ist der Glaube, ist das Vertrauen in die wirkende und neuschaffende Liebe Gottes. Deshalb ist der Taufauftrag Jesu an die Jünger unbedingt mit dem Glauben an dieses wirkmächtige Zeichen der Liebe Gottes verbunden (vgl. Mt 28,19f; Mk 16,15f).
Für Jesus selbst beginnt mit der Taufe sein öffentliches Wirken. Er wird jetzt mit Vollmacht wirken, weil der Vater ihn bestätigt hat und zu ihm steht. Er kann seinen Weg gehen bis hin zu Tod und Auferstehung. – Wir wurden in unserer Taufe in den Geist Gottes und in seine Liebe hineingenommen. Das Fest der Taufe des Herrn will uns ermutigen und auch mahnen: Denk daran, dass Du in Gott bist seit Deiner Taufe! Du bist Tochter und Sohn Gottes! Nur Du selbst kannst Dich von ihm trennen! Ich bin sicher: Wir haben noch lange nicht erkannt, welche Schönheit, welche Größe, welches Leben uns Gott durch die Neuschöpfung in unserer Taufe geschenkt hat. Wir dürfen als seine Töchter und Söhne, als seine Kinder, als seine Familie im sicheren Bewusstsein seiner Nähe, seiner Liebe und Barmherzigkeit leben. Darf ich daran erinnern, dass es immer Brauch war und auch ist, an der Wohnungstüre ein kleines Weihwasserkesselchen mit gesegnetem Wasser zu haben. Beim Verlassen der Wohnung oder beim Heimkommen die Finger mit dem Wasser zu benetzen und sich mit dem Zeichen des Kreuzes zu segnen, erinnert an die eigene Taufe. Diese kleine Geste verändert das Bewusstsein und hilft, den Glauben lebendig zu halten. „Nichts“, so hat es der Apostel Paulus als Zeugnis seines eigenen Bewusstseins in Gott zu leben an die Gemeinde der Christen in Rom geschrieben, „nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (Röm 8,39).
Seien Sie in dieser Liebe gesegnet und behütet!
Ihr P. Guido