27.12.2025

Josefs Träume haben Folgen

Predigt zum Fest der Heiligen Familie von P. Guido Dupont O.Cist

Predigt zum Fest der Hl. Familie – A – Sir 3,2-6.12-14: Kol 3,12-21 u. Mt 2,13-15.19-23

 

Hart und grausam wird das weihnachtliche Geschehen durch die biblischen Geschichten von Vertreibung, Flucht, Kindermord, Asyl in der Fremde, Angst und Schrecken auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Heute, an diesem Sonntag in der Weihnachtsoktav fallen zwei Gedenken zusammen: Das Gedenken an die Unschuldigen Kinder aus Bethlehem und das Fest der Hl. Familie. Es ist „wie im richtigen Leben“, - und der Eindruck täuscht nicht, denn die Krisenherde und Schreckensbilder un­serer Welt heute, nah und fern, haben keine weihnachtliche Pause einge­legt. Es ist eben unsere Welt, in der sich Jesus zu bewähren hatte und hat und genauso auch jene, die sich auf die Botschaft Jesu eingelassen haben und sich - sozusagen „alle Jahre wieder“ - und immer wieder neu einlassen.

Der Evangelist Matthäus nimmt in seiner Verkündigung, im Gegensatz zu Lukas, Josef mehr in den Blick. Das hat mit der Grundausrichtung seiner Botschaft zu tun: Jesus ist der verheißene Messias und Befreier Israels. Er ist der neue David! Und da ist Josef das Bindeglied in der Geschlechterfolge. So wird Josefs Glaubensgeschichte zum wichtigen Element der Glaubensgeschichte überhaupt.

Josef ist einer, der die Botschaft Gottes klar sehen und erkennen und sich vertrauensvoll darauf einlassen kann. Schließlich ist er ein Mann, der „seinen Mann steht“, der träumen kann und dennoch handfest handelt (vgl. Mt 1,18-24).

Josefs Träume haben Folgen. Er lässt sie nicht einfach so stehen, um sie vielleicht am nächsten Tag oder noch später zu deuten. Mitten in der Nacht, angestoßen durch den Traum, packt er seine Siebensachen und die seiner Familie zusammen, setzt Mutter Maria und Kind Jesus auf den Esel und flieht nach Ägypten. Er handelt und ist nicht zögerlich in der ganzen Situation, er steht auf, bricht die Zelte ab, bricht auf, um zu erfüllen, weil Gottes Sorge sein väterliches und fürsorgliches Handeln antreibt.

Ich habe es schon gesagt (vgl. Ansprache zum 4.Advent)! Josef ist ein Glaubender! Und als solcher gibt er dem Handeln Gottes Raum in seinem Leben und gibt seinen Glauben von Generation zu Generation weiter bis heute. Ein wahr­haftig vertrauensvolles Familienoberhaupt, dieser Josef!

Von dem, was der Evangelist Matthäus uns aufgeschrieben hat und damit beabsichtigt, weiß Josef nichts. Aber ohne seine Träume, ohne seinen Glauben und ohne sein Handeln wäre diese Geschichte wohl anders verlaufen.

Matthäus will - wie ich schon sagte - seiner Ge­meinde deutlich machen, dass Jesus, tatsächlich der seit Jahrhunderten ersehnte und von den Propheten verheißene Messias und Gottessohn ist. Deshalb formt er Räume der Begegnung mit dem Heil, das von Gott ausgeht. Matthäus schaut vom Ostergeschehen aus auf die Geschichte dieses Jesus von Nazareth zurück.

Und dazu gehört neben dem Evangelium von der „Flucht nach Ägypten“ eine weitere Sichtweise: Mit der „Flucht nach Ägypten“ klingt die Geschichte der „Rettung des Mose in Ägyp­ten“ an, wie sie im alttestamentlichen Buch Exodus (vgl. Ex 2) aufgeschrie­ben ist. „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen...“ – Jesus ist der neue Mose. Er ist der, der sein Volk befreien wird aus jeglicher Unterdrückung. Die Geschichten von Mose, Jesus und den ermordeten Kindern von Betlehem schildern nicht nur Erfahrungen von Familien mit kleinen Kindern, die mit Berechnung und Brutalität von Machthabern – dort der ägyp­tische Pharao hier der König Herodes – bedroht wurden: Um ihre Machtin­teressen durchzusetzen, opfern sie sogar das Leben von Kindern. Das verweist uns auf die grausamen Wirklichkeiten der Kriegs- und Krisengebiete unserer Zeit, ich denke beispielsweise an die Kinder, die immer wieder im Sudan aber auch andernorts ihren aus den Familien gerissen werden. Das ist nicht Gottes Wille! So dürfen wir unser Evangelium deuten.

Wie jene Menschen, die zu Gott gehören unter der Machtgier der Herrscher leiden, so antwortet Gott mit seinem Geschenk der Solidarität mit ihnen. Machtlosigkeit und Ohnmacht werden durch die Liebe gestärkt. Am Ende steht das Neue Leben Gottes.

Hier stärkt Matthäus seine Gemeinde in ihrer Erfahrung, denn auch sie sind der Machtausübung der politischen Machthaber ausgesetzt und erfahren die Ohnmacht der Menschen, die der Botschaft Jesu Christi nachfolgen. Das setzt sich bis heute fort, wenn wir nur die Nachricht der Verfolgung von Christen in unseren Tagen wahrnehmen.

Damit erfahren wir als Anstoß des heutigen Festes:

Wir brauchen Menschen wie Josef auch heute: Gestalten in den Familien, die aus einem tiefen Gottvertrauen die lebens-not-wendige Schritte wagen, die träumen und sich dabei etwas sagen lassen können. Das müssen nicht unbedingt Männer sein. Wir brauchen Menschen, die uns die oft verborgene Verheißung Gottes wachhalten, dass Er, Gott, bei uns sein wird - gleich wohin die Träume seiner Botschaft uns führen.

Und dann sagt uns Matthäus durch sein Evangelium: Die Geschichte dieses Jesus macht klar, auf welcher Seite er, der Gottessohn ge­standen hat und steht: Bei den Ohnmächtigen und Machtlosen, den Leidenden und Kranken, den Verfolgten und Asylsuchenden, bei unschuldigen Kindern und Friedensstiftern, bei allen am Rande der Gesellschaft. Hier sollen wir Ihn heute suchen, mit den genannten solidarisch sein, so seine Nachfolge leben und ein Stück des Reiches Gottes durch seine Menschwerdung mit uns und unserem Zeugnis lebendig werden lassen.

 

In diesem Sinne wünsche ich gnadenreiche Tage und bleibt behütet!              

Ihr P. Guido

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