03.06.2023
Wo es die Liebe gibt, gibt es eine Dreifaltigkeit
Bildergalerie
Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag – A – Ex 34, 4b.5-6.8-9 und Joh 3, 16-18
In der Begegnung mit anderen Menschen ist letztlich eine Frage entscheidend. Sie lautet: Wer ist der oder die, welche mir da begegnen? Wer bist du? Es ist die Frage nach dem Wesen des anderen, nach seinem Charakter, nach seiner Persönlichkeit, nach seinem Sein. Von der Antwort auf diese Frage machen wir – wenn es sich um eine echte Begegnung handeln soll – unsere Reaktion und Offenheit abhängig, schlicht, wir entscheiden je nach der Antwort, wie weit wir dem anderen vertrauen und ob unsere Begegnung mit ihm tiefer gehen kann.
Mehr noch als in Bezug auf andere Menschen gilt diese Frage und die Reaktion darauf auch in Bezug auf Gott. Da ist diese Frage noch viel bedeutsamer. In der Lesung aus dem Buch Exodus klingt das an: Mose, der den Namen Gottes kennt – am Dornbusch hat er ihn von Gott selbst erfahren – JAHWE – „Ich bin da, ich zeige mich in eurer Geschichte…“ – ruft Mose den Namen Gottes aus und Gott antwortet mit einer Aussage über sich selbst: „Der Ich-Bin-Da ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue!“ (vgl. Ex 4,5f).
So ist Gott und so will er erfahren werden. Man muss ihm also begegnen, um etwas über ihn zu erfahren. Er ist auf die Begegnung ausgerichtet. Das ist entscheidend und wichtig deshalb, weil wir Menschen von der Grundanlage unseres Wesens auch auf andere ausgerichtet sind. Der Philosoph und Theologe Martin Buber sagte das einmal so: Das ICH wird am DU. Erst in der Begegnung, im sich Öffnen auf die Mitmenschen und die Welt, im Überwinden der eigenen Grenzen und Begrenztheiten entdecken wir uns selbst. Einfach gesagt: Wir sind auf Begegnung angelegt. In der Begegnung ahnen wir das Geheimnis des anderen und unser eigenes.
Wenn wir das von uns selbst sagen können, dann müssen wir vom Glauben her auch zurück schließen auf den, der uns geschaffen hat, auf Gott. Denn wir sind ja sein Abbild, sein Ebenbild – wie es die Bibel sagt. Ja, Gott selbst ist auf Begegnung hin angelegt. Aber da es niemand gibt, der ihn so angelegt haben könnte – dann muss Gott selbst in sich Begegnung sein. Begegnung mit „Herz, Zuneigung, Geduld und Offenheit“ (vgl. Ex 4,5f) in die Tiefe des Wesens hinein ist die Liebe. Das ist das Geheimnis seines Seins.
Wie aber nähert man sich einem solchen Geheimnis? Gerade bei einer so fordernden Frage, wie der nach Gott, hilft vielleicht eine kleine Geschichte, die vom großen Theologen und Bischof von Hippo, dem hl. Augustinus erzählt wird:
„Man erzählt von ihm, dass er, zu der Zeit, als er das Buch über die Dreifaltigkeit vorbereitete, an einem Strand entlangging. Da erblickte er einen Knaben, der eine kleine Grube im Sand gemacht hatte und mit einem Löffel Wasser aus dem Meer schöpfte und in die Grube goss. Als Augustinus ihn fragte, was er da mache, antwortete der Knabe, er habe vor, mit dem Löffel das Meer trockenzulegen und in die Grube zu füllen. Augustinus erklärte, das sei unmöglich, und lächelte über die Einfalt des Knaben. Der aber erwiderte ihm, eher sei es für ihn möglich, das fertigzubringen, als für Augustinus, in seinem Buch auch nur den kleinsten Teil der Geheimnisse der Dreifaltigkeit zu erklären. Und er verglich die Grube mit dem Buch, das Meer mit der Dreifaltigkeit und den Löffel mit dem Verstand des Augustinus. Danach verschwand er. Da ging Augustinus in sich, betete und verfasste danach, so gut er konnte, das Buch über die Dreifaltigkeit.“ (Text um 1370 - Quelle: Wikipedia)
In seinem Werk „De Trinitate“ – „Von der Dreifaltigkeit“ sagt Augustinus: „Wo es die Liebe gibt, gibt es eine Dreifaltigkeit: Einen Liebenden, einen Geliebten und die Quelle der Liebe.“
Augustinus respektiert das Geheimnis Gottes. Er schaut auf das Zeugnis des Evangeliums. Und dort sieht er: Aus sich selbst zeigt und offenbart sich Gott in Jesus dem Sohn, der davon spricht, dass er und der Vater eins ist, und der ebenso davon spricht, dass der Heilige Geist alles lehren und offenlegen wird, was vom Vater und vom Sohn ausgeht. Die innige Verbindung von Vater und Sohn ist Gottes Sein. Indem wir dieses Geheimnis sehen und glaubend annehmen, begreifen wir in seinem Geist, dass er uns Menschen – sein Ebenbild – so angelegt und geschaffen hat, wie er selbst ist: als Liebende.
So ist das Wort des Heiligen Augustinus ein Pfad, der als Hilfe nicht für das intellektuelle Verstehen, sondern für das biblische ERKENNEN einen entscheidenden Anstoß gibt: „Wo es die Liebe gibt, gibt es eine Dreifaltigkeit: Einen Liebenden, einen Geliebten und die Quelle der Liebe.“ Der Vater hält uns Menschen seinen Sohn hin. Er, die Liebe, bringt ihn uns dar. Der am Kreuz hingerichtete und sich hingebende Sohn ist das Liebesgeschenk des Vaters an uns Menschen und ist gleichzeitig der Geliebte. Im Menschsein des Gottessohnes nimmt Gott den Menschen ja hinein in seine Liebe. Das Johannes-Evangelium, das wir gehört haben, sagt: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie dahingibt, damit die Welt an seine Liebe glaubt und so gerettet wird" (vgl. Joh 3,16). Der Sohn antwortet in der freien Hingabe seines Lebens, im Gleichwerden mit dem Menschen, dem geliebten Geschöpf Gottes, bis in die tiefste Not des Todes – außer der Trennung von Gott in der Sünde – „Jetzt ist die Stunde da. Verherrliche Vater deinen Sohn…“ (vgl. Joh 17,1.5). Und wieder antwortet Gott selbst: Der Heilige Geist ist die Fülle des Lebens, die die Antwort der Liebe ist: Er lässt den Sohn nicht im Tod. Er schenkt die Auferstehung, Ewigkeit, Gemeinschaft in Gott – er ist die Quelle der Liebe: „Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir“, sagt Jesus mit Blick auf die Jünger und die Menschen, die er aus der Dunkelheit des Todes und der Angst lösen will (vgl. Joh 17,22f). Hören wir noch einmal das Wort des hl. Augustinus: „Wo es die Liebe gibt, gibt es eine Dreifaltigkeit: Einen Liebenden, einen Geliebten und die Quelle der Liebe.“
In der Tradition des äthiopischen Christentums sagt man:
Gott ist wie die Sonne:
Der Kreis der Sonnenscheibe ist der Vater.
Der Strahl des Lichtes ist der Sohn.
Die Wärme und Helligkeit ist der Heilige Geist.
Ich wünsche Ihnen die Erkenntnis der Liebe Gottes und bleiben Sie behütet! Ihr P. Guido