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Wussten sie, dass Lebkuchen eine interessante Erfindung sind?

Wussten sie, dass Lebkuchen eine interessante Erfindung sind?
Wussten sie, dass Lebkuchen eine interessante Erfindung sind?
© Pixabay
© Rudi Grabowski

Predigt zum ersten Adventsonntag (C) – Jer 33, 14-16 und Lk 21, 25-28.34-36

Vielleicht erinnern sie sich auch noch an eine Kindheitserfahrung, die mir sehr präsent ist. Manche Medizin schmeckte einfach schrecklich. Nicht nur der berühmte Lebertran, nein auch der Hustensaft und noch andere Medizin. „Das muss so schmecken“, hieß es dann oft auf die ablehnende Reaktion. „Nur wenn es auch so schrecklich schmeckt, weiß man, dass es auch helfen wird.“

Nun, mit dem Beginn des neuen Kirchenjahres begegnen wir Sonntag für Sonntag dem Evangelisten Lukas. Lukas, so weiß es die Überlieferung, ist Arzt von Beruf. Mir kam der Gedanke, dass man sein Evangelium wie eine Diagnose und Therapie der unheilvollen Welt und der kranken Menschheit durch Jesus betrachten kann. So ist sein Evangelium voller Geschichten des Trostes und der Barmherzigkeit. Mehr als die anderen Evangelisten stellt Lukas Jesus als den Sohn Gottes vor, der dem Verlorenen bis zum Äußersten nachgeht. Nur er erzählt vom barmherzigen Samariter und vom verlorenen Sohn mit seinem barmherzigen Vater.

Lukas glaubt felsenfest an die Barmherzigkeit Gottes: „Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes“ (Lk 1,78f). Aber, er ist weit entfernt von einer billigen „Wisch-und-Weg“ - Mentalität. Er legt den Finger in die Wunde und benennt klar die Arznei, ohne zu beschönigen, dass die auch mal schlecht schmecken kann: Lukas weiß, dass Jesus dazu bestimmt ist, dass viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden - so sagt die Weissagung des greisen Simeon über Jesus und mehr noch: „Er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird“ (Lk 2,34).

Das Evangelium, das wir gerade gehört haben, widerspricht einer oberflächlichen und gefühlsduseligen Lebensart. Es diagnostiziert klar die Bedrohungen, in denen Menschen und Welt stehen. Die Wunden unserer Zeit Ungerechtigkeit, Friedlosigkeit, Hass und Krieg und auch die Erschütterungen der Natur durch unser unvernünftiges und oft egoistisches Handeln, die Ängste, die wir so gerne und schnell auf andere projizieren, auf Konzerne oder Politiker oder Ideologien... Wenn alles wankt und zerbricht, so sagt Lukas, und es augenscheinlich keinen Grund und Raum mehr gibt zum Weiterleben, dann ist noch lange nicht Schluss. Dann beginnt das völlig Neue, dann - und er ruft das wunderbare Wort aus: „Dann richtet euch auf! Erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe!“ (Lk 21,28).

Genau dafür steht der Advent, den wir heute beginnen. Denn in die Diagnose hinein, in diese ernüchternde Wahrnehmung der kranken Welt und Menschheit, mitten in die Weltuntergangsszenarien kommt der, der schon einmal in die Welt gekommen ist: Im Advent zünden wir die Kerzen an und richten unseren Blick auf das Kind von Betlehem, das von sich als Erwachsener gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt!“ Und wir richten uns aus auf den gekommenen Jesus und auf den kommenden Herrn am Ende aller Dinge. Und wer nur ein wenig von dem verstanden hat, was Jesus von Gott her den Menschen zu sagen hatte, der wird sich gespannt und von Herzen auf die Vollendung freuen.

Und was ist mit den Besonderheiten dieser Zeit: Den Weihnachts- und Adventmärkten, der Lichterflut, der ganz eigenen Stimmung, der typischen Musik, den Düften und Köstlichkeiten? Verdeckt unter all dem weltlichen und wirtschaftlichen Kleid, unter all der Oberflächlichkeit und Gefühligkeit findet sich eine Kernwahrheit: Eingespannt unter unzähligen Pflichten und Regeln, geknechtet von vielerlei Ängsten und Sorgen, sehnen wir uns alle nach lichtglänzender und überraschender Fülle und einem Leben in feiernder Gemeinschaft.

Die Medizin des Arztes Lukas: Erhebt euch, macht euch auf! Schaut auf! Richtet euren Blick auf das Ende und die Vollendung, auf den kommenden Christus! Teilt eure Sehnsucht nach einem gelingenden Leben miteinander. Seid also einander Licht! Nehmt all das Schlimme wahr und wisst, dass nicht das Unheil siegt, sondern das Leben, das Leben in Fülle. Seid gut und barmherzig miteinander! Helft mit, an einer besseren und gerechteren Welt zu bauen! Gott selbst kommt, um sie zu vollenden!

Und zuletzt: Seid wach und betet! Seid also immer in Gemeinschaft, in Beziehung mit dem Herrn, damit ihr auch bereit seid, wenn er kommt.

Ja, vielen unserer Mitchristen scheint genau das eine zu herbe und bittere Medizin. Sorgen und der Rausch der Welt lenken ab. Sie entfernen sich vom Glauben, von der Kirche, von Christus. - Wohin geht der Weg dann?

Wussten sie, dass Lebkuchen eine interessante Erfindung sind? Das hebräische Wort „lev“ bedeutet „Leben - Heilmittel - Arznei“. Im christlichen Kontext hat man die Heilkräuter aus den Klostergärten in den Teig von kleinem haltbaren Gebäck gemischt. Und, damit die manchmal bitteren Kräuter nicht den Geschmack dominierten, hat man viel Honig und gemahlene Nüsse und Mandeln hinzugegeben. Die köstlichsten Sorten wurden zu Weihnachten verteilt mit dem Spruch: Christus schenkt der Welt Heil! Lass es dir schmecken!

Lassen wir uns doch diese Medizin schmecken: Christus schenkt der Welt Heil!

Ich wünsche eine gesegnete Adventszeit! Seien Sie behütet!       Ihr P. Guido

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