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Wer da nicht alles einsetzt, kann nicht bestehen...

Wer da nicht alles einsetzt, kann nicht bestehen...
Wer da nicht alles einsetzt, kann nicht bestehen...
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© Rudi Grabowski

Predigt zum 33. Sonntag im Jahreskreis (A) – 1Thess 5, 1-6 und Mt 25, 14-30

Es gibt viele verschiedene Auslegungsrichtungen für das Gleichnis von den Talenten bei Matthäus, das wir eben als Evangelium gehört haben. Aber diese verschiedenen Wege der Erklärung sind jetzt und hier nicht unser Thema. Ganz sicher wäre es spannend, sich in einer Gruppe und im Gespräch einmal damit zu beschäftigen. Doch genug davon.

Ich denke, man kommt am ehesten zum Sinn dieses Gleichnisses, wenn man bei der Gestalt des Mannes ansetzt, der seinen Dienern sein Vermögen zu Verwaltung, oder sagen wir es gleich richtig, zur Vermehrung übergibt. Er will eine satte Rendite haben. Es ist auffallend, dass in Jesu Gleichnissen öfter Typen mit doch ziemlich unmoralischem Charakter auftauchen. So einer ist auch der hier benannte „Herr“. Er ist einer der unverschämt Reichen, denn er gibt seinen Dienern – das sind sicher abhängig Bedienstete oder Angestellte mit großer Verantwortung – extrem hohe Geldbeträge: 1 Talent entspricht 6.000 Denar und das sind nach heutiger Währung etwa 384.000 €; 5 Talente sind also 1.920.000 €. Und er ist außerdem ein Prahler, ein Angeber, spricht er doch in der Wertung des Handelns seiner Diener vom „Kleinen“ also vom „Wenigen“: „Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen…“ (vgl. Mt 25,21b). Er hätte so die Riesenbeträge, die er seinen Untergebenen anvertraut hat, auch in heutiger Rede als „peanuts“ bezeichnen können. Der Mann ist ein Angeber mit unsauberen Geschäftspraktiken. So hat ihn Jesus charakterisiert. Gerade der dritte Diener bestätigt, dass sein Herr seine Geschäfte auf unmoralische Weise betreibt, wenn der ihm auf seine Verteidigung hin sagt: „Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.“ (vgl. Mt 25,26b). Also: Dieser „ehrenwerte Herr“ ist sogar noch stolz darauf, dass er als Gauner bezeichnet wird und stimmt der Aussage seines Dieners ausdrücklich zu. Wenn es nicht so traurig wäre, dass es solche Leute gibt, könnte man anfügen: Die Übereinstimmung mit lebenden und bekannten Personen ist rein zufällig. -

Während die Angestellten Nr. 1 und Nr. 2 würdige Ebenbilder ihres Chefs sind – sie agieren ja offensichtlich nach seiner Maßgabe –, hat der 3. Angestellte schlicht Angst vor derartigen Praktiken. Solche mafiösen Strukturen sind nicht die seinen. Also vergräbt er das ihm anvertraute Geld. Er denkt sich: Ich mache zwar keinen Gewinn, aber ich bleibe sauber und verliere nichts und kann zurückgeben, was ich empfangen habe. Aber genau damit hat er alles verloren. Weil er im Sinn seines Chefs kein Risiko eingeht, weil er auf Initiative und blitzschnelles Handeln verzichtet, ist seine Rendite gleich null. Deshalb fliegt er raus. Seine Existenz ist zerstört.

In seinem Gleichnis zeichnet Jesus eine Welt, in der es beinhart und rücksichtslos zugeht. Wer da nicht alles einsetzt, kann nicht bestehen. Er wird gefeuert! Er ist raus! Die Zuhörer Jesu kannten so etwas.

Was will Jesus mit solch einer Erzählung erreichen? Jesus erzählt hier – wie er es öfter macht – keine religiöse oder moralische Geschichte. Vielmehr benutzt er die Beschreibung der knallharten Realität eines – so würden wir es heute nennen – totalen Kapitalismus, um auf etwas ganz anderes hinzuweisen. Und worauf will er hinweisen?

„Mit dem Himmelreich ist es wie…“ so begann das Gleichnis. Jesus redet wie immer vom Plan, den Gott mit der Welt du den Menschen hat. Er spricht von dem absolut Neuen, das Gott mitten in der altbekannten Gesellschaft schaffen will. Sein Reich soll entstehen.

Und wie und vor allem durch wen entsteht dieses Gottesreich?

Das Gleichnis beantwortet einen Teil der gestellten Frage: Mit Feiglingen, mit Menschen, die nur abwarten oder gar von Misstrauen gegenüber Gott geprägt sind, mit solchen, die sich ständig absichern wollen, ist das Reich Gottes nicht zu erringen und zu schaffen. Genau dafür steht der 3. Angestellte. Jesus sucht Menschen, die, wie er selbst, alles auf die Nähe Gottes und seine Liebe setzen, ja, alles! Er sucht Menschen, die bereit sind, aufs Ganze zu gehen, wenn es um die Sache Gottes geht. Er sucht Menschen, die aus dem Bewusstsein leben, dass Gott alles Notwendige gibt und geben wird, um seine „Neue Welt“ des Friedens, der Gerechtigkeit und der Liebe mit ihnen herbei zu führen. So unmoralisch der „Herr“ und die Angestellten Nr. 1 und 2 des Gleichnisses sich verhalten, die setzen ja alles dran, ihren Herrn zufriedenzustellen. Jesus also sucht Menschen, die mit sich Haut und Haar für die Sache Gottes einsetzen.

Da ist aber noch ein Aspekt in der Botschaft vom Reich Gottes. Da zeigt sich ein Spannungsbogen, der paradox erscheint: Einerseits hat dieses Gottesreich allein in Jesus Christus, in seinem Leben, in seinem Leiden, in seinem Kreuzestod und seiner Auferstehung begonnen und wird sich auch durchsetzen. Andererseits, so stellt es sich gerade in unserem Gleichnis dar, braucht Gott uns Menschen, damit heute seine Liebe zur Welt und den Menschen immer wieder aufleuchtet und lebendig sein kann. Wer sich da nicht einbringt, für den bleibt, in der Bildersprache des Evangeliums gesprochen, Dunkelheit, Heulen und Zähneknirschen.

Es ist ein entscheidendes Element unseres Glaubens an die Nähe Gottes im Spannungsbogen von Gegenwart und Zukunft, dass wir zum einen erlöste und zur Liebe befreite Menschen sind, jetzt schon, und dass wir dennoch unterwegs sind, um das Ziel in Gott zu erreichen. Wir sind also noch lange nicht fertig mit der Sache Gottes. Deshalb müssen wir diese Sache Gottes als unsere ureigene Angelegenheit so angehen, als ob alles von uns abhänge und gleichzeitig absolut auf Gott vertrauen, weil alles von ihm abhängt und vollendet wird.

Seien Sie gesegnet und behütet und bleiben Sie gesund!            Ihr P. Guido

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