Kategorien &
Plattformen

Wer anderen das Wort Gottes zu sagen hat, muss selbst ein Hörender und Lernender sein.

Wer anderen das Wort Gottes zu sagen hat, muss selbst ein Hörender und Lernender sein.
Wer anderen das Wort Gottes zu sagen hat, muss selbst ein Hörender und Lernender sein.
© Rudi Grabowski
© Rudi Grabowski

Predigt zum 16. Sonntag im Jahreskreis

(B) – Jer 23,1-6 und Mk 6,30-34

 

„Wer anderen das Wort Gottes zu sagen hat, muss selbst ein Hörender und Lernender sein.“ Diesen Satz las ich im Sonntags-Schott als einleitendes Wort zum 16. Sonntag im Jahreskreis des Markus-Lesejahres. Im erwähnten Text aus dem Sonntags-Schott heißt es dann weiter: „Jedes wirklich gelernte Wort verändert den Menschen, und jede Erfahrung bereichert sein Leben. Erfahrungen mit Gott, mit den Menschen und den Dingen machen den Menschen weise und gut.“ Jesus hat die Jünger ausgesandt, damit sie – so denke ich – genau das entdecken konnten. Sie sollten den Menschen wirklich begegnen, ihnen zuhören und dann lernen, wie gute Hirten zu sein und nicht so, wie Jeremia in prophetischer Rede die schlechten Hirten charakterisiert, die für sich in Anspruch nehmen, andere zu leiten und zu führen. So sagt Gott durch ihn: „Weh den Hirten, die die Schafe meiner Weide zugrunde richten und zerstreuen. Ich selbst – Spruch des Herrn – bringe die Schafe zurück auf ihre Weide. Aus dem Geschlecht Davids werde ich einen gerechten Spross erwecken. Man wir ihm den Namen geben: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit“ (vgl. Jer 23,1-6). Die Kritik der schlechten Hirten wandelt sich zur Verheißung. Das Prophetenwort müssen wir auf Jesus beziehen, von dem das Evangelium sagt, dass er, als er die vielen Menschen sah, Mitleid mit ihnen hatte, denn sie waren wie Schafe ohne Hirten (vgl. Mk 6,34).

Und als die ausgesandten Jünger wieder zu Jesus zurückkommen und ihm berichten, was sie taten und lehrten, zeigt ihnen Jesus darüber hinaus, was es heißt, als Gottes Hirten „Hörende und Lernende“ zu sein. Er gibt ihnen so eine pastoral-praktische Lehrstunde: Bei ihm sind sie an der richtigen Adresse; er hört ihnen zu. Er wimmelt sie nicht ab, lässt sie an sich heran, geht auf sie ein. All das dürfen wir aus dem Wort entnehmen: „Kommt mit an einem einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus“ (Mk 6,31a).

Nicht nur einfach „abschalten“ sollen die Jünger oder mal „Pause machen“, sondern mit ihm zusammen inwendig zur Ruhe kommen. Jesus lädt die Seinen ein, mit ihm allein zu sein, ihre Erfahrungen mitzuteilen, auf ihn zu hören als den, der selbst ein Hörender ist und so neu zu sich selbst zu finden. Die Jünger dürfen entdecken, dass Einsatz und Einkehr zum Leben aus dem Glauben gehört. Nachfolge Jesu schließt Zeiten der Ruhe und des Zu-sich-selbst-Kommens ein. Manchmal ist das auch gegen den Erwartungsdruck von außen und die Unruhe von innen notwendig, als doch irgendetwas zu tun. Nur nebenbei bemerkt: Haben Sie schon einmal für sich selbst eine „geistliche Auszeit“ genommen? Das Stichwort dafür heißt „Exerzitien“ oder „geistliche Begleitung“, also Zeiten des zu sich Kommens und in Begleitung mit jemand, der erfahren genug ist und kompetent, ihren Lebensweg unter dem Aspekt des geistlich, spirituellen Weges zu betrachten und mit Ihnen zu erörtern.

So suchen Jesus und die Jünger den Ort, die einsame Gegend, wo sie neu geistlich und menschlich auftanken können. Markus erzählt, dass die Menschen auf der Suche nach Jesus sehen, wie sie sich dazu aufmachen. Und dann heißt es: „Viele… kamen noch vor ihnen an“ (vgl. Mk 6,33b). Ganz sicher will diese Aussage uns vor Augen führen, dass es kein exklusives Vorrecht der Jünger ist, mit Jesus die angesprochene Erfahrung zu machen. Denn Jesus entzieht sich auch diesen Suchenden nicht. Nichts anderes ist in ihm als „Mitleid“. Und auch das ist ein Lehrexempel nicht nur für die Jünger. Keine Vorwürfe an die Menschen, weil er und die Jünger so gestresst waren, kein Wort der Verzögerung und Ablehnung und auch kein falscher Aktionismus. Jesus ist für sie da. „Und er lehrte sie lange“, heißt es. Richtiger übersetzt müsste es heißen: „Er lehrte sie vieles.“ Vieles, das mit ihrem Leben zu tun hat, vieles auch aus seinem Herzen, vieles von Gott und seiner eigenen Gotteserfahrung.

Alles in allem ist das, was wir hier erfahren, ein freundlicher und frohmachender Text. Er atmet Verständnis, Ruhe und Menschenfreundlichkeit. Ein Anti-Stress-Text sozusagen. Eine Ermutigung für die Gemeinde, für die Verkünder, für Suchende. Für uns alle sagt dieses Evangelium, dass der Glaube und die Tat des Glaubens Zeiten der Ruhe brauchen, Zeiten des Hörens und Lernens miteinander und mit Jesus, wenn sie nicht ins Leere laufen sollen. Wirklich ein Lehrbeispiel für unser Glaubensleben. Ich möchte Sie in diesem Sinn noch auf eine weitere erprobte Tradition des geistlichen Lebens hinweisen:

Es ist die Übung der geistlichen Lesung (der „lectio divina“). Diese Übung besteht darin, sich täglich etwas Zeit zu nehmen, um wenigstens einige Verse in den Evangelien, oder den Apostelbriefen – ich will gar nicht auf die ganze Bibel hinweisen – in der Offenheit des Herzens zu lesen, um so Jesus und Gott näher zu kommen. Hilfreich ist auch, was ich schon vor einiger Zeit angeregt habe. Mit einer kleinen Atemübung einen Raum der Ruhe in sich zu öffnen, in dem wir ebenso Jesus begegnen können: Sagen wir in Gedanken beim Einatmen – Jesus, Du in mir – und nach einem kurzen Innehalten beim Ausatmen – und ich in Dir

Vielleicht finden Sie in diesen Tagen die Muße, so ein wenig für sich und ihren Glauben zu tun.

Das öffnet für Gottes Geist, für seine lebensschaffende und stärkende Kraft.

„Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus“, sagt Jesus auch zu uns.

 

Seien Sie behütet und gesegnet!                                                         Ihr P. Guido

Cookie Einstellungen

Statistik-Cookies dienen der Anaylse, indem Informationen anonymisiert gesammelt werden.

Anbieter:

Bistum Limburg

Datenschutz