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Stimme eines Rufers in der Wüste

Stimme eines Rufers in der Wüste
Stimme eines Rufers in der Wüste
Wenn im Neuen Testament von der Wüste die Rede ist, ist meist das Jordantal auf der Höhe von Jericho gemeint (Matthäus 3,1; Markus 1,4) © Pixabay
© Rudi Grabowski
© Rudi Grabowski

Predigt zum 2. Adventssonntag (B)  Jes 40,1-5.9-11 und Mk 1,1-8

Angesagt. Das sagt man so. Schuhe aus Wolle sind angesagt. Sneakers und Laufschuhe. Angesagt wären Weihnachtsmärkte und Weihnachtsfeiern, wäre da nicht… ach, ja, die Corona-Pandemie. Das Wort des Jahres: Corona-Pandemie. Also: Angesagt sind Mund-Nasen-Masken. Die A-H-A – Regeln: Abstand, Maske, Hygiene…, angesagt sind Zahlen und Statistiken von Infizierten und Intensivbettenbelegungen. Angesagt sind Homeoffice und Besuchsregeln. Angesagt sind Lockdown und eine Quadratmeterzahl für Kunden in Geschäften. Angesagt sind Impfstoffe.

Angesagt…

„Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn.

Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja - Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird. Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! -, so trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden.“ (Mk 1,1-4)

Wenn wir dem Evangelisten Markus glauben, dann war das, was er aus dem Propheten Jesaja zitiert und was er über die Gestalt des Täufers Johannes sagt, damals auch angesagt. Will sagen, es war offensichtlich aktuell und an der Zeit und betraf eine Menge Menschen. Denn – wir hörten es – in Scharen zogen sie zu diesem seltsam gekleideten Typen in die Wüste und noch überraschender, es blieb nicht nur bei der Bewegung zu einem Event. Sie – auch das hörten wir – „sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.“ (Mk 1,5b) Wie kommt es, dass die Menschen, die Bewohner von Jerusalem und Judäa, von dem, was dieser Mann in der Wüste zu ihnen sagt, so betroffen waren? Was ist da wirklich angesagt?

Markus lässt seine Botschaft, sein Evangelium, dort beginnen, wo es augenscheinlich nichts gibt, das dem Leben dient: in der Wüste, dem Ort des Todes und der Dürre, der Hitze und des Wassermangels. In der Wüste. Dort begann ein entscheidender Wegabschnitt Israels. Dort entstand die Weg- und Bundesgemeinschaft Gottes mit seinem Volk. Dort in der Wüste ist der Ort des brennenden Dornbusches, dort ist der Berg der Weisungen Gottes, der Gebote, dort schenkte Gott seinem Volk Nahrung und Wasser. Durch die Wüste führt der Weg in das verheißene Land. In der Wüste begriffen die Israeliten, dass der Gottesname JAHWE tatsächlich heißt: „Ich bin in eurer Geschichte bei und mit euch“.

Und jetzt, in den Wirren und er Unterdrückung durch die römische Besatzung des Landes, im Durcheinander politischer und religiöser Strömungen, in der Angst vor der Zukunft und dem alltäglichen Kampf um das Leben, jetzt ist angesagt, danach zu schauen, woher vernünftige und lebenspraktische Orientierung kommt, kommen kann. Es ist dieser Mann in der Wüste, mit der einfachen Kleidung und anspruchslosen Lebenshaltung, der den Menschen den entscheidenden Hinweis gibt: „Bereitet dem Herrn den Weg!“ ruft er und: „Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.“ (Mk 1,7-8) Der Täufer Johannes lenkt den Blick wieder auf Gott.

Angesagt ist eine neue Zukunft.

Ich denke, wir heute sind in der Wüstenerfahrung der Corona-Pandemie ebenso auf der Suche nach Wegweisung und Zukunftshoffnung. Eigentlich betrifft das viele Krisensituationen der Menschen, global wie ganz persönlich. Die Fragen um das Klima, um Gewalt, um Krieg, Menschenrechte, Gerechtigkeit und um vieles andere mehr, sind im Grunde auch Wüsten-Fragen. Wie auch die Fragen nach gelingendem menschlichem Umgang miteinander, nach Solidarität und Toleranz, nach Vertrauen und Annahme des und der einzelnen. Es sind alles Wüstenfragen, Fragen, die mit Leben und Tod, mit Hunger und Durst nach einem Sinn zu tun haben.

„…er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.“ (Mk 1,8b)

Was der Täufer Johannes da über Christus sagt, ist ganz entscheidend. Jesus nimmt all jene, die ihm nachfolgen, hinein in seine innige Verbindung mit Gott. Er nimmt uns hinein in die Beziehung der Liebe zwischen Vater, Sohn und Geist. Er nimmt uns hinein in das Leben, das keinen Tod mehr kennt, weil er den Tod überwindet. Genau das meint die Taufe mit dem Heiligen Geist. Das Bewusstsein, in diesem göttlichen Leben zu sein, öffnet unsere Möglichkeiten mit ihm, mit Gott selbst, das Reich der Liebe und des Friedens aufzubauen. Es ist also notwendig, dass wir uns von unserem irrigen, selbstmächtigen und oft genug egoistischen Machbarkeitswahn verabschieden, mit den Worten des Täufers „umkehren“, und uns öffnen für Gottes heilende und lebensschaffende Kraft der Liebe. Das Trennende, die Sünde müssen wir hinter uns lassen, damit das Verbindende wirken kann. Die Wüste führt zur Erkenntnis des tatsächlich Notwendigen! Und wie finden wir das Notwendige? Bereiten wir dem Herrn den Weg in unsere Herzen, in unseren Verstand, in unser Leben!

Angesagt ist in Jesus Christus, Gottes Sohn, eine neue Zukunft! Auch heute!

In einem Adventslied (GL 233) heißt es:

„O Herr, wenn du kommst, wird die Welt wieder neu, denn heute schon baust du dein Reich unter uns, und darum erheben wir froh unser Haupt. O Herr, wir warten auf dich.“ und weiter: „O Herr, wenn du kommst, jauchzt die Schöpfung dir zu, denn deine Erlösung wird alles befrein. Das Leid wird von deiner Klarheit durchstrahlt. O Herr, wir warten auf dich.“

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit und bleiben Sie gesund!                      Ihr P. Guido

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