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Meister, wo wohnst Du?

Meister, wo wohnst Du?
Meister, wo wohnst Du?
Ein Teil der Heimstatt des"Stellvertreters Christi auf Erden"... © Pixabay
© Pater Guido
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Predigt zum 2. Sonntag im Jahreskreis (B) 1 Kor 6,13c-15a.17-20 und Joh 1,35-42

Die Antwort der beiden Täufer-Jünger auf die Frage Jesu, was sie denn wollten, lautet etwas überraschend: Meister, wo wohnst du?“ Ist das ein verlegenes Gestammel oder möchten sie wirklich wissen, wo Jesus lebt? Auf alle Fälle dürfte es um mehr als um eine Ad­resse gehen. Das ist offensichtlich, denn Jesus hat ja wohl dort am Jordan bei dem Täufer Johannes keine Anschrift! Die Frage nach der Wohnung geht tiefer. Das wird uns klar. Da wo wir wohnen, sind wir zu Hause, sind wir DAHEIM. Das Äußere umschreibt das Innere. Gemeint ist natürlich: Wo ist deine innere Heimat? Die Wohnung steht für den tatsächlichen Lebensraum, für unsere Wurzeln und unsere Quellen. Dort sind wir bei uns selbst. Und außerdem geben un­sere Wohnungen Raum, das Leben mit anderen zu teilen. Wenn wir „sehen“, wo jemand wohnt, erfahren wir etwas über ihn. Darauf ist die Frage der beiden Jünger ausgerichtet. Der Hinweis des Täufers und sein Verweis von sich weg auf den „Vorübergehenden - Seht das Lamm Gottes!“ - hat sie auf die Spur gebracht. „Und sie folgten Jesus“, heißt es. Sie wollen etwas über ihn erfahren, wollen „sehen“, wo er zu Hause, wo er wirklich daheim ist.

Tiefer noch kann sich dieses „Wo wohnst du?“ erschließen, wenn wir beachten, wo die geschilderte Szene im Evangelium des Johannes zu finden ist. Sie steht im ersten Kapitel, gehört also zur Einführung in das vierte Evangelium. Und deshalb ist die Antwort Jesu „Kommt und seht!“ buchstäblich wegweisend. Wir sind wie die Jünger eingeladen, uns auf das einzulassen, was im ganzen Evangelium zu finden ist. Wir sind eingeladen, Jesus zu „folgen“ und zu „sehen“, wo er „wohnt“, das heißt: wo er letztlich zu Hause ist, von woher er kommt und mit wem er das Leben teilt. Es ist eine Einladung in sein Innerstes, symbolisch gesprochen, eine Einladung in sein Herz.

Für uns ist das ein längerer Weg als für die beiden Jünger. Denn erst in den sogenannten Abschiedsreden (vgl. Joh 14-17) spricht der Evangelist wieder von „Wohnungen“. Da sagt Jesus: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Woh­nungen“ und er gibt den Jüngern die Zusage, dass er ih­nen eben dort, im Haus seines Vaters, „einen Platz“, ein Zuhause „vorbereiten“ wird, damit,so wörtlich, „auch ihr dort seid, wo ich bin“ (vgl. Joh 14,1-3).So weit reicht die Einladung Jesu „Kommt und seht!“ Wer Jesus kennen lernen möchte, wird „kommen und sehen“, wie er in der Liebe des Vaters „wohnt“, wie er aus dieser Liebe hervorgeht und den Weg in diese Liebe hinein erschließt. Damit wird auch skizziert, was Jesus als seine wichtigste Aufgabe sieht: Den Menschen diesen Innersten Raum Gottes zu öffnen; und diesen Raum der Begegnung Gottes in sich und mit dem Menschen nennen wir „Gottes Reich“. Genau darauf deutet das Wort Jesu „ich bin die Türe“ hin (vgl. Joh 10,9) und ebenso die „Ich bin Worte“ vom Weg, Wahrheit und Leben (vgl. Joh 14,6).

Noch ein anderes Wort begegnet uns hier wieder in den soge­nannten Abschiedsreden. Es ist das Verb „bleiben“. Von den beiden Johannesjüngern heißt es, dass „sie jenen Tag bei Jesus blieben“. In immer neuen Wendungen mahnt nach den Worten des Evangelisten Johannes Jesus die Jünger, ja er beschwö­rt sie, in ihm zu „bleiben“, in seiner Liebe zu „bleiben“, in seinem Wort zu „bleiben“, in ihm als dem „wahren Weinstock zu bleiben“ (vgl. Joh 15,1-17).Das ist wichtig: nicht bloß kommen und „mal kurz vorbeischauen“, sondern „bleiben“ und verweilen. Wir sollen finden, was wir im Letzten suchen: einen „Ort und Raum“, wo wir uns „bleibend“ festmachen können. Und dieser „Ort und Raum“ des Bleibens ist die Liebe Jesu, die ihre eigene Bleibe, ihr DAHEIM letztlich in der Liebe des Vaters hat.

Wäre es nicht gerade in unseren Tagen, wo wir wegen der Corona-Pandemie mehr auf uns und unser Zuhause, auf die eigenen „Vier Wände“ zurückgeworfen sind, sinnvoll, den Blick deshalb und intensiver auf das innere DAHEIM zu richten? Wo ist mein Herz? Wo ist meine Mitte? Was trägt mich? Das Evangelium jetzt zu Beginn der Sonntage im Jahreskreis lädt dazu ein, gerade in diesen Tagen die Chance zu einer besonderen inneren Einkehr zu nutzen. „Kommt und seht!“ sagt Jesus. Und es gilt, zu folgen und das Geschenk der möglichen Erkenntnis mit den Menschen zu teilen, die mir, die uns wichtig sind, so wie es Andreas mit seinem Bruder Simon macht, wenn er sagt: „Wir haben den Messias – den Gesalbten, Christus gefunden! - und er führte ihn zu Jesus“ (vgl. Joh 1,40-42).

Gottes Volk Israel ist während seiner ganzen Geschichte herausgefor­dert, sich in seinem Gott festzumachen, sich nicht zwischen dem einen und dem anderen Götzen hin und her reißen zu lassen. Dem lebendigen Gott allein soll das ungeteilte Herz seines Volkes gehören. Davon erzählt die Bibel aus der Geschichte Israels mit seinem Gott, und diese Grundentscheidung greift Johannes in seinem Evangelium auf. Glauben heißt auch für uns Christen, Jesu Einladung „Kommt und seht!“ anzunehmen, ihm zu folgen und dann zu „bleiben“, ein Leben lang. Letzten Endes geht es um die Treue zu dem Gott, der sich selbst unaufhörlich als treu erweist. Er teilt sein Le­ben mit uns, teilt sich mit in der Liebe Jesu bis zum Äußers­ten des Lebens, bis in den Tod und darüber hinaus. Glauben heißt, in dieser Liebe den „Ort und Raum“ zu finden, an und in dem zu „bleiben“ und zu „wohnen“ Halt gibt und Perspektive und Leben und so die Berufung, mitzuwirken am „Reich Gottes“. Es kann sein, dass wir dann sogar einen neuen Namen erhalten wie Simon, dem Sohn des Johannes, dem Jesus den Beinahmen „Kephas – Petrus - Fels“ gibt.

„Kommt und seht!“, dasist schließlich - und nicht zuletzt - ein Wort fürs Sterben: „kommen und sehen“, welche „Wohnungen“ uns Jesus im Haus seines Vaters schon jetzt bereitet hat.

Ihnen und Euch alles Gute und bleibt behütet!                   P. Guido

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