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Lass los, was hindert!

Lass los, was hindert!
Lass los, was hindert!
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© Rudi Grabowski
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Predigt zum 28. Sonntag im Jahreskreis (B) - Weish 7,7-11 und Mk 10,17-30

Natürlich kennen wir das: „Reich und Schön...“ - Es sind nicht nur Soap-Opera’s - Seifen-Opern, sondern es ist irgendwie der Stoff, aus dem die Träume sind für viele: Irgendwann einmal das große Los zu ziehen – bildlich gesprochen – schlicht sorgenfrei zu leben, materiell und geistig. Dann, so denken viele, dann ist der Himmel auf Erden möglich.

Da steckt ist eine Sehnsucht nach diesem Gelingen in uns: Den Lebensplan treffen, glücklich werden. „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“ (Mk 10,17b). Das ist die Lebensfrage des Mannes, der sich, wie wir im Evangelium vernommen haben, Jesus stellt. Ganz offensichtlich sieht er eine Perspektive in dem, was Jesus sagt. Und Jesus lenkt seinen Blick zuerst auf Gott hin. „Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer der eine Gott“ (Mk 10,18). Klar, dass Jesus dann auf die Gebote zeigt. Steigernd nennt Jesus jene Gebote, die für den begüterten Mann besonders in Frage kommen. Er hält ihm also eine Art Gewissensspiegel vor. „… Alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt“ (Mk 10,20), so antwortet der. Und Jesus sieht ihn an, „umarmt ihn“, so sagt es die neue Einheitsübersetzung, zieht ihn also an sein Herz, und sagt ihm: „Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben: dann komm und folge mir nach!“ (Mk 10,21). Betrübt geht der Angeredete weg.

Was hindert diesen Mann daran, hinter sich zu lassen, mit dem er sich das ewige Leben nicht kaufen, nicht erben kann? Hat er nicht gespürt, wie es ist, ans Herz Jesu gezogen zu werden?

Es ist die Angst sich selbst zu verlieren, wenn man auch nur scheinbar Wichtiges loslässt. Anders gesagt: Wer sich an das Jetzt und Hier, also an das, was man zu „Haben“ glaubt klammert, der wird nie die Weite und Schönheit des Himmels entdecken und die Freiheit und Größe des Herzens spüren, die mit Bindung und Vertrauen verknüpft ist. Darin ist, was ewig ist: Gottes Liebe. Dann beschränkt man seine eigenen Möglichkeiten. Dann ist nur die Traurigkeit der Weg...

Wie, so möchte ich fragen, weitet sich der Horizont?

Ich möchte ihnen von Nick Vujicic erzählen. Er ist 1982 in Melbourne geboren. Ich bin ihm zufällig im Internet begegnet. Nick hat wegen einer seltenen Geburtsanomalie keine Arme, nicht einmal Stummelhände, keine Beine. Nur an der linken Po-Backe hat er ein Füßchen mit einem Zeh dran. Dieses Füßchen bezeichnet er selbstironisch als Hühnerbeinchen, „my chickendrumstick“. Er ist unglaublich dankbar, dass er dieses Hühnerbeinchen hat, denn mit ihm schafft er es, sich irgendwie fortzubewegen oder sich auf ein Skateboard zu legen und sich am Boden abzustoßen. Er schafft es im Schwimmbad vom Dreimeterbrett ins Wasser zu springen und dort sogar zu schwimmen. Es ist faszinierend, zu sehen und von ihm zu erfahren, wie er sein Leben bewältigt. Ihm selbst haben seine Eltern geholfen, seinen Weg zu finden, auch mit großen Schwierigkeiten, weil sie ihn trotz seiner Behinderung lieben. Mit acht Jahren wollte er sich das Leben nehmen. Seiner Eltern und ihrer Liebe wegen blieb er am Leben. Sie haben es geschafft, ihm Selbstvertrauen und ihren eigenen Glauben an Gott mitzugeben. Schule und Universität hat er mit Bravour gemeistert. Am liebsten arbeitet Nick Vujicic als Motivationstrainer und erzählt jungen Menschen von seinem Leben und von seinem Glauben. Da sitzt er dann auf einem Tisch und ermutigt die Jugendlichen auch nach schweren Erlebnissen nicht am Boden liegen zu bleiben, sondern wieder aufzustehen. Und genau das demonstriert er dabei eindrucksvoll, indem er sich auf dem Tisch umfallen lässt und sich dann mit großer Kraft und Geschicklichkeit ohne fremde Hilfe wieder aufrichtet. Dabei strahlt er eine Lebensfreude und Gelassenheit aus, die jeden Gesunden beschämt und zu Tränen rühren kann. Nick hat keine Arme und keine Beine, keine Hände und nur sein „Hühnerbeinchen“. Er sagt selbst: „Es nützt mir nichts, wenn ich damit hadere, was ich alles nicht kann. Ich bin Gott dankbar für das, was ich kann. Auch wenn ich niemand mit meinen Händen halten kann. Ich kann das Herz des anderen an meinem Herzen halten, dafür brauche ich keine Arme.“

Die Dankbarkeit für das, was ist, das Vertrauen von Gottes Herz gehalten zu sein, ... Sein Auftreten, seine Rede sind inspirierend. Schauen Sie selbst bei Youtube nach... Übrigens: Nick Vujicic ist glücklich verheiratet und Vater von zwei Söhnen und zwei Töchtern. Man mag Anstoß daran nehmen, dass er sich als Angehöriger einer evangelikalen Freikirche auch vermarkten lässt. Aber irgendwie muss er ja für seine Familie sorgen. – Nick sagt von sich selbst, dass er sich nicht als Heiligen sieht. – Aber sein Lebenszeugnis stößt in mir den Gedanken an: Lass los, was dich in deinem Leben allzu sehr bindet und dir nicht hilft, über dich hinaus zu gelangen. Gott gibt alles, was wir für unser Leben brauchen - er gibt es uns dann, wenn wir es brauchen! An dieses Wort von Madeleine Delbrél denke ich. Gott gibt, was wir brauchen, um Jesus nachzufolgen, um einen Platz an seinem Herzen zu finden. Lass los, was hindert! Dem reichen Mann im Evangelium fehlt das Vertrauen in Jesus.

Sich verlieren auf Gott und den Mitmenschen hin, aber nicht, um gut da zu stehen, sich verschenken aus Freude und Dankbarkeit und Liebe, ohne Zweck, ohne Absicht... Das scheint verrückt. Aber wird da nicht jenes Vertrauen konkret, das alle Enge aufsprengt und das die Perspektive eines engen Lebens über den Horizont bis zum Himmel öffnet? Die notwendige Forderung heißt: Lass los, was dich allzu sehr an dich selbst und an deine Ängste bindet, damit du frei wirst für die anderen und für Gott.

Um die Enge und Begrenztheit aufzusprengen, bedarf es des Bewusstseins, dass man niemals verloren gehen kann. Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, so hat es der Apostel Paulus gesagt (vgl. Röm 8,39).

Die Alternative – das zeigt der Blick auf das Evangelium – heißt: Schatten im Gesicht, betrübt und traurig weggehen ... oder die Welt mit den Augen Gottes sehen und aus seiner Gnade leben. Vielleicht kann Nick Vujicic dazu inspirieren. Ganz sicher aber ein Franz von Assisi oder irgendein anderer Narr oder eine Närrin Gottes, die wir mit Recht Heilige nennen...

Seien Sie gesegnet und behütet!                                                           Ihr P. Guido

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