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Keine Gebärende möchte auf Dauer in Wehen liegen

Keine Gebärende möchte auf Dauer in Wehen liegen
Keine Gebärende möchte auf Dauer in Wehen liegen
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© Rudi Grabowski
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Predigt zum 33. Sonntag im Kirchenjahr (B) – Dan 12, 1-3 und Mk 13, 24-32

Dieses Weltuntergangs-Szenario am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres, das uns im Evangelium begegnet, stimmt nicht gerade froh. Doch gilt her­auszuhören, was gesagt sein soll. In apokalyptischen, also endzeitlichen Bildern wird ausgedrückt, dass wir auf brüchigem Boden leben. Die Welt, die uns so zuverlässig zu tragen scheint, kann in Be­wegung geraten. Das Chaos kann Macht über scheinbar geordnete Strukturen gewinnen. Das gilt global für unsere „Mutter Erde“, auf der alle möglichen Katastrophen vorstellbar sind - nicht zuletzt durch menschliches Zutun, denken wir nur an die Klimakrise. Und es gibt die „Weltuntergänge“ in regionalen und örtlichen Bereichen wie etwa das, was in der Flutkatastrophe im Juli dieses Jahres an der Ahr und Erft und im benachbarten Ausland geschah, oder die Hitzewelle und die Brände rund ums Mittelmeer, oder auch die Covid19-Pandemie, der wir nun schon so lange ausgeliefert sind. Die Sorge, dass - bildhaft gesprochen - der Bo­den unter uns in Bewegung geraten und sich auftun kann, wird immer wieder einmal Wirklichkeit. Genau das ist gemeint, wenn davon ist die Rede ist, dass Sonne, Mond und Sterne, normalerweise Zeichen verlässlichen Daseins, sich verfins­tern und vom Himmel fallen (vgl. Mk 13,25).

Aus diesem Hintergrund tritt das zentrale Bild des Evange­liums hervor, nämlich das Kommen des „Menschensohnes mit großer Kraft und Herrlichkeit“ (Mk 12,26).Dieses Bild besser zu verstehen, hilft uns als Kontrast das Bild des Gekreuzigten. Das letzte Bild des irdischen Jesus, das uns überliefert ist, zeigt ihn in sei­ner Ohnmacht und Not, ganz und gar nicht machtvoll und herrlich. Zwar glauben wir, dass das Bild des Gekreuzigten immer auch das Bild der Liebe Gottes ist, die uns in unserem Elend sucht. Dass sie eine „sieghafte Liebe“ ist, lässt sich am Kreuz selbst allerdings nicht erkennen. Innerhalb unserer Ge­schichte bleibt uns das leidende und sterbende Angesicht Jesu zugewandt und darin das ohnmächtige Leid so vieler - bis zum heutigen Tag. Aber gerade darin ist das Bild des Gekreuzigten das Bild der Solidarität des erlösenden Gottes mit den leidenden Menschen!

Wenn wir sagen, wir seien schon erlöst, dann sprechen wir aber unge­nau - ganz abgesehen davon, dass dieses Wort abgenutzt ist. In Tod und Auferstehung Jesu hat Gott stellvertretend befreiend und von der Angst lösend am „Menschensohn“ gehandelt, und verspricht uns „Menschen“ so, dass von ihm her einmal auch für uns alles gut wird. Das aber ist unseren Augen noch ver­borgen. Man kann es bezweifeln, und gewiss ist es auch uns bisweilen eine Not, wenn der Zweifel den Glauben bedrängt. Die Zeit, in der Gott abwesend oder machtlos erscheint, macht unsere erlebte Geschichte aus. Wenn wir dennoch glauben, dann nicht, weil unsere Augen schon sehen, son­dern weil wir den Zeugen glauben, die den Gekreuzigten als Lebenden, als Auferstandenen, erfahren haben.

Die Rede vom Kommen des „Menschensohnes in Kraft und Herrlichkeit“spricht von der Hoffnung, dass in Jesus, dem Gottes- und Menschensohn, vor den Augen aller der Glanz der Liebe Gottes einmal endgültig aufleuch­ten wird. Am Kreuz ist er dem Spott preisgegeben. Dieses Bild verlangt nach einer Korrektur, nach einem Ge­genbild und findet es im Evangelium von heute. Am Ende der Geschichte wird klar hervortreten, dass Gott in der Hingabe Jesu alle mit sich versöhnen und zusammenführen will. Das meint das „Kommen des Menschensohnes in Kraft und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels“.

Zugleich damit geschieht, dass die vor aller Welt ins Recht gesetzt werden, die sich von Gott haben suchen und finden lassen. Auch der Glanz derer, die Gott und ihre Nächsten lieben, ist oft genug verdunkelt in unserer Ge­schichte. Glanz und Pomp umgibt dagegen viele, die nur für sich sam­meln und andere ausbeuten. Auch da wird das Bild korrigiert werden und die Wahrheit herauskommen. „Herrlichkeit“ist ein anderes Wort für die Wahrheit Gottes. Vor dieser „Herrlichkeit“ kann nichts bestehen, was nicht wirklich Antwort auf Gottes Liebe ist. An der Verborgenheit Gottes in der Zeit unserer Geschichte hat auch die Schöpfung Anteil. Es ist wahr, dass in ihr ein Abglanz der Herrlichkeit Gottes aufleuchtet (- „mein Gott, wie schön ist deine Welt", so singen wir in einem Kirchenlied, GL Limburg 855 -). Aber es ist genauso wahr, dass es in der Schöpfung grausam zugeht und viel auf Kosten anderen Lebens gelebt wird und, dass Angst in ihr ist und Furcht vor Unheil und dass der Tod tagtäglich reiche Ernte hält.

Paulus schreibt im Römerbrief: „Die Schöpfung ist der Ver­gänglichkeit unterworfen...; aber zugleich gab er ihr Hoff­nung. Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlo­renheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt“ (Röm 8,20-22).Keine Gebärende möchte auf Dauer in Wehen liegen. Sie möchte vielmehr, dass das neue Leben endlich hervorkommt und sich zeigt. Dieses Verlangen nehmen die biblischen Bilder vom Weltunter­gang auf. Sie haben nicht eigentlich den Untergang im Blick, sondern den Aufgang einer neuen Welt, in der dem Tod die Macht genommen ist und Freude alle Trauer verdrängt. Die oft als Drohbilder missbrauchten oder auch als fantastische Zukunftsvisionen umgedichteten apokalyptischen Szenen sind biblisch betrachtet, Hoffnungsbilder für eine Heils-Fülle, dessen Vorge­schmack wir manch­mal schon in diesem Leben kosten.

Wir feiern Eucharistie, und das heißt: Danksagung. Dabei wäre es ein Missverständnis anzunehmen, es sei schon alles von Gott her geschehen. Ein „Anfang“ ist geschehen, vor allem der, dass uns Hoffnung gegeben ist. Wir strecken uns aus nach dem, der in der Mitte unseres Evangeliums angekündigt wird. Die Liebe Jesu, die in dieser Feier Gestalt annimmt, auch heute wieder, lässt uns bekennen: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ Und glaubend und hoffend empfangen wir, was unseren Augen noch verborgen ist.

Seien Sie so von Gott gesegnet und behütet!                                             Ihr P. Guido

 

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