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Jesu Wort vom „Ärgernis“ in Bezug auf die „Kleinen“

Jesu Wort vom „Ärgernis“ in Bezug auf die „Kleinen“
Jesu Wort vom „Ärgernis“ in Bezug auf die „Kleinen“
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© Pater Guido
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Predigt zum 26. Sonntag im Jahreskreis (B) – Num 11,25-29 und Mk 9,38-43.45.47-48

Das überrascht und schockiert, was Markus uns heute aus dem Munde Jesu überliefert. Da sind einerseits die unglaublich tolerante Haltung und dann die radikal provozierenden Aufforderungen. Wie kann das zusammenpassen?

Die Liturgen, die die Texte der Gottesdienste zusammengestellt haben, haben ganz sicher mit Blick auf den ersten Teil des Evangelienabschnittes die Verse aus dem Buch Numeri, die wir in der Lesung hörten, ausgewählt. Das Buch Numeri erzählt davon, wie zwei Männer, Eldad und Medad mit Namen, vom Geist ergriffen im Lager in prophetische Verzückung geraten, obwohl sie nicht wie die übrigen Ältesten und wie es sich gehörte zum Offenbarungszelt vor das Lager hinausgegangen sind. Josua möchte, dass Mose ihnen die Geistbegabung verwehrt. Und beim Evangelisten Markus sind es die Jünger, die jemanden daran hindern wollen, im Namen Jesu Dämonen auszutreiben, obwohl derjenige ihnen nicht nachfolgt, also nicht zu den Jüngern gehört. Tatsächlich sagen sie es so: „…wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt“ (Mk 9,38b). Diese Formulierung hat es in sich: als ob es darum ginge, den Jüngern oder der Gemeinde nachzufolgen! Christliche Nachfolge ist nun aber Jesus-Nachfolge! Aber die Jünger hätten wohl gerne Jesu Wirken für sich und die Gemeinde vereinnahmt. Offensichtlich gab es da einen Konflikt in der Gemeinde des Markus. Wer im Namen Jesu Gutes wirkt, so ist wohl die Auffassung, der soll sich auch der Gemeinde anschließen. Sonst muss es so jemand verboten werden, im Namen Jesu Gutes zu tun, und zwar von Jesus selbst. Könnte es denn sein, dass in unserem heutigen Text insgesamt vor allem Gemeindeprobleme angesprochen werden? Schauen wir noch einmal auf den ersten Teil unseres Evangeliums.

Offensichtlich wirkt Gottes Geist anders als die Jünger vermuten. „Hindert ihn nicht!“ (Mk 9,39a) fordert Jesus sie auf. „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns“ (Mk 9,40). Das ist ein Wort der Hochherzigkeit, wie sie auch die christliche Gemeinde kennzeichnen soll, ein Wort der Toleranz aus dem eine Weite des Geistes spricht, die sich über allzu enges und abgrenzendes Gruppendenken erhebt. Wer sich, indem er im Namen Jesu Gutes tut, und sich so insgeheim auf die Botschaft Jesu und damit auf ihn einlässt, der hat sich im Grunde bereits auf den Weg der Jesus-Nachfolge gemacht, wie dieser „Jemand“ im Evangelium, der im Namen Jesu Dämonen austreibt. Den „anderen“ ist also mit Toleranz zu begegnen. Die angesprochene Toleranz meint nun allerdings nicht, dass man, um Konflikten aus dem Weg zu gehen, die eigene Überzeugung zurücknehmen muss. Im Wort Jesu zeigt sich eine Toleranz, die auf den Wert und die Wahrhaftigkeit des guten Werkes ausgerichtet ist, ganz gleich von wem es getan wird. Jesus ist gekommen, das Gute zu suchen, wo immer es sich findet. Sein Wort und sein Handeln legen uns ans Herz, allen Menschen guten Willens gewogen zu sein und es zu bleiben, auch wenn sie nicht zur christlichen Gemeinde zählen. Alles andere wäre eine sektenhafte Abschließung und ein Rückzug in eine Art kirchliches Ghetto und letztlich dem Geist Jesu fremd. Verstärkt wird die positive Aussage auch dadurch, dass Jesus jenen Lohn verheißt, die den Christusnachfolgenden „auch nur einen Becher Wasser zu trinken geben“ (Mk 9,41). Mir kommt in den Sinn, dass diese Haltung und Worte Jesu ein Trost sein kann, wenn wir darunter leiden, dass sich in unserer nächsten Verwandtschaft Menschen finden, die sich nicht oder nicht mehr zur Gemeinschaft der Kirche bekennen, bedeutet die Haltung Jesu doch: auch in ihnen und durch sie wird Gottes Geist, wenn es ihm gefällt, Befreiendes und Gutes wirken.

Der zweite Teil unseres Evangelienabschnittes konfrontiert nun jene, die sich zur Gemeinde zählen, mit ihrer dunklen Seite. Wieder ist die Gemeinde, die Gemeinschaft derer im Blick, die Jesus nachfolgen. Natürlich denken wir sofort an all die furchtbaren Dinge, die mit dem sexuellen Missbrauch verbunden sind, wenn wir Jesu Wort vom „Ärgernis“ in Bezug auf die „Kleinen“ hören. Aber das ist nicht allein gemeint. Tatsächlich sind alle in der Gemeinde angesprochen. Es ist schlicht unehrlich, wenn jemand betont, er gehöre zu den Christusnachfolgern, aber nicht lebt, wie es der Nachfolge des Herrn entspricht. Es ist unehrlich und falsch, wenn man meint, weil man dazugehört, müsse man nicht mehr darauf achten, ob man nach dem Maßstab Jesu noch richtig lebt und handelt.

Wir haben Hände und Füße und Augen, unseren Leib, unsere Sinne und unseren Verstand von Gott bekommen, um sie so zu nutzen, dass das Reich Gottes durch sie erfahrbar wird. Da ist aber auch die andere Möglichkeit: Da gibt es die Hand, die nach allen Gelegenheiten greift, um sich zu bereichern, die Hand, die sich zur Faust ballt und zuschlägt, wenn die Argumente fehlen. Da gibt es den Fuß, der keinen Standpunkt hat und zum Mitläufer wird, oder der trotzig oder aus Bequemlichkeit sich nicht mehr bewegt. Da ist das Auge, das nur die eigenen Interessen im Blick behält, keine Not mehr sieht und so ein klares Handeln verhindert. Wir begreifen, dass die raffgierige Hand, die gewaltbereite Faust, der unbewegliche Fuß und das moralisch kurzsichtige Auge durchaus ein Hindernis sein können, das göttliche Leben zu gewinnen. Da ist es hilfreich, wenn man wachgerüttelt wird! Das sollen die schockierenden Worte!

Wir begreifen, dass es hier im Evangelium nicht darum gehen kann, Anweisung zur Verstümmelung zu geben. Vielmehr wird die Gemeinde des Markus und damit auch wir aufgefordert, innezuhalten und darauf zu schauen, ob wir unseren Leib und unseren Verstand und unsere Sinne vom Geist Gottes leiten lassen, ob wir ihm in uns Raum geben. Denn der Herr will auch heute mit unseren Augen, mit unseren Händen, mit unseren Füßen, mit unserem Leib und Verstand durch seinen Heiligen Geist das Gute wirken. Genau darauf sollen wir mit provozierenden und auch schockierenden Worten aufmerksam gemacht werden.

Ja, ich möchte mit den Worten des Buches Numeri, mit Mose ausrufen können: „Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde, wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte!“ (Num 11,29). Gottes Heiliger Geist komme über uns und sei in uns lebendig!

 

Seien Sie gesegnet und behütet!                                                         Ihr P. Guido

 

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