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Ein neues Kirchenjahr beginnt

Ein neues Kirchenjahr beginnt
Ein neues Kirchenjahr beginnt
1. Advent in Marienstatt © Rudi Grabowski
© Rudi Grabowski
© Rudi Grabowski

Predigt zum 1. Adventssonntag (B) – 1Kor 1, 3-9 und Mk 13, 24-37

Wie lange noch? Wie lange müssen wir die Einschränkungen der Covid19-Pandemie noch aushalten und ertragen? Wie lange noch, bis wir einander wieder näherkommen dürfen? Wie lange noch Mund und Nase mit einer Maske bedecken, wenn wir einander begegnen? Wie lange noch die Angst vor Ansteckung und möglicher Erkrankung durch das Virus? Wie lange noch? Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass solche und noch eine Menge mehr an Herausforderungen tagtäglich unser Leben bestimmen würden?

Der 1. Advent. Ein neues Kirchenjahr beginnt mit diesem Sonntag. Im Evangelium schlagen wir ein anderes Buch auf. Das des Evangelisten Markus. Er war wohl einer aus dem Umfeld des Petrus. So sagen es die Fachleute. Nach ihrer gängigen Meinung machte er sich als Erster daran, knapp vierzig Jahre nach Tod und Auferstehung Jesu schriftlich festzuhalten, was an Erzählung und Botschaft in der jungen christlichen Gemeinde von Jesus weitergetragen wurde.  Als Markus sein Evangelium aufschrieb, herrschte Krieg in Israel. Die Römer hatten den Tempel in Jerusalem zerstört. Die frühchristliche Gemeinde musste sich wieder mal neu orientieren. Sie hatten gehofft, dass der auferstandene und zu Gott erhöhte Herr, doch bald, sehr bald wiederkommen würde, um alles zu einem guten Ende zu bringen. Aber er blieb aus.

Sollte man dennoch daran festhalten, dass er wiederkommen wird? Und vor allem war da die Frage zu klären, wie man solche unsichere und ungewisse Wartezeit bewältigen kann, ohne des Wartens müde zu werden und zu erschlaffen.

Wie lange noch?

Markus erinnert an Worte Jesu, an Worte, die das erlebte Chaos, die Bedrängnis und Not aufgreifen. „Vergesst das Ende nicht!“ ruft er seiner Gemeinde zu und: „Bleibt wach und aufmerksam!“ Es liegt an uns, die Erfahrungen des Alltags und der Zeit zu betrachten und zu deuten, ganz gleich, ob sie positiv oder angstmachend negativ sind. Ein Bildwort führt uns auf diese Spur: Der Feigenbaum. Da ist vom Sommer die Rede, von saftigen Zweigen, von Blüten und Blättern, welche Früchte ankündigen. Lebendige Bilder, die nicht ängstigen wollen, sondern Hoffnung vermitteln. Und Jesus fordert uns auf, aufzuschauen und vom Gleichnis des Feigenbaums zu lernen, von seiner Lebendigkeit: Das Leben ist uns verheißen, das Leben in Fülle, Wachstum und Früchte, die geschenkt werden.

„Seht also euer Leben wie ein Haus, wie eine Wohnstatt. Nicht ihr habt das Haus gebaut, nicht ihr habt den Raum des Lebens geschaffen. Aber ihr habt darüber zu wachen. Ihr seid Diener des Hausherrn und Türhüter über das Anvertraute.“ Wer sich eingerichtet hat im Haus seines Lebens, komfortabel und abgesichert und ausgestattet mit vielen Dingen, die alles sehr angenehm machen, vergisst schnell, dass die Bedrohungen des Lebens nicht halt machen vor den festen Mauern. Alles ist vorläufig und begrenzt in unserem Leben. Das wache Wahrnehmen des Augenblickes macht aufmerksamer für die Brüchigkeit des Lebens und der Dinge. Es macht aber auch lebendiger. Wachsame Türhüter haben die Straße im Blick, das Kommen und Gehen, den Augenblick mehr als das Vergangene. Wache und aufmerksame Diener halten das Haus in Schuss für den Hausherrn. Seien wir gewiss: Er wird zurückkehren, irgendwann.

Markus erinnert uns mit den Worten Jesu an den Mann, der für eine unbestimmte Zeit auf Reisen ging und während seiner Abwesenheit alle Verantwortung seinen Dienern übertrug. Er macht seiner Gemeinde – uns heute – klar, dass es nicht hilfreich ist, sich allzu sehr einzurichten in der vergehenden Lebenszeit, so als gäbe es kein Vergehen, kein Ende des Wartens. Wer es sich zu gemütlich macht und sich selbst im Wohlergehen einlullt, verschläft die Rückkehr des Hausherrn, verschläft das Leben selbst.

Wie lange noch?

Nicht erst am Ende aller Dinge oder im persönlichen Ende in Sterben und Tod allein, erfüllt sich das Lebenswort des Herrn. Erinnern wir uns: Es gibt dieses erste Kommen: Weihnachten. Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu. Keine äußere Bedrängnis, keine Not und keine Pandemie und ihre Herausforderungen können dieses Geburtsfest wegdrücken oder auslöschen aus der Menschheitsgeschichte! Weihnachten, das ist mehr als nur ein nettes Familienfest mit gutem Essen und Geschenken. Wenn wir nicht nur „Kulturchristen“ sein wollen, dann richtet sich der Blick auf das unfassbare Ereignis der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Seit seiner armseligen Geburt im Stall ist er in unserer Mitte, ist Gott in der Menschlichkeit erfahrbar, ist er unterwegs zu uns, ist er der „Gott mit uns“. Deshalb gilt: Gerade in der Bedrohung, in der Not der Krankheit, in den Ängsten und Beschränkungen des Lebens sind wir in unserer ganzen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit im Umgang und in der Begegnung mit unseren Mitmenschen gefordert, besonders mit Blick auf die Schwächeren, seien wir nun als seine Bedienstete oder als Türhüter tätig. Die Frage, die uns in diesen Tagen begleitet, dieses „Wie lange noch?“, kann uns zu einem Lehrmeister der Solidarität werden und zu einem Weckruf der Mitmenschlichkeit. Dazu hat uns der Herr in Dienst genommen.

Übrigens: Die Frage „Wie lange noch?“ wird nicht mit einem Impfstoff oder dem Ende der Pandemie verschwinden.

Denken wir daran, dass selbst das kleinste Licht die Dunkelheit vertreibt und Hoffnung schenkt.

Deshalb heißt es im Lied:

Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet, die erste Kerze brennt.

Wir sagen euch an eine heilige Zeit. Machet dem Herr den Weg bereit.

Freut euch ihr Christen, freuet euch sehr! Schon ist nahe der Herr.

                                                                                                                      (Gotteslob Nr. 223)

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit und bleiben Sie gesund!                        Ihr P. Guido

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