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Damals in der Synagoge zu Kafarnaum

Der heutige Besucher des franziskanischen Geländes findet neben Resten antiker Wohnbebauung eine repräsentative spätantike Synagoge und ein „Haus des Petrus“ vor, letzteres überbaut durch eine moderne römisch-katholische Kirche.
Damals  in der Synagoge zu Kafarnaum
Damals  in der Synagoge zu Kafarnaum
© Wikipedia
© Pater Guido
© Pater Guido

Predigt zum 4. Sonntag im Jahreskreis (B) Dtn 18,15-20 und Mk 1,21-28

Eilig kommt der Evangelist Markus zum Wesentlichen seiner Botschaft. Lassen wir es in uns nachklingen. Jesus strahlt etwas aus. Die Menschen um ihn spüren das. Seine Rede ist anders als die im Gebetshaus üblichen Predigten. Mehr noch: Markus erzählt von einem Menschen, dessen Begegnung mit Jesus sehr konkrete Auswirkungen hat. Von einem rätselhaften „unreinen Geist“ wird dieser Mensch getrieben. Jesus befreit ihn, schenkt ihm Ruhe und Klarheit, erleuchtet sein Innerstes, führt ihn ins Heil, heilt ihn. Wo Jesus ist, da berührt er Menschen in ihrer Seele und sie werden heil und verwandelt.

Da war die Rede von einem „unreinen Geist“… Ich denke, Sie stimmen mir zu: Mit den Begriffen „Geister“ und „Dämonen“ und was sie bezeichnen, haben wir aufgeklärte Menschen Probleme. Sie lassen Horrorgeschichten aus Filmen und Büchern lebendig werden, die von geheimnisvollen teuflischen Mächten erzählen. Als Markus sein Evangelium aufgeschrieben hat, waren solche Mächte in den Vorstellungen der Menschen allerdings etwas Vorgegebenes, fast Alltägliches. Es gab sie einfach. Warum? Weil es keine bessere Erklärung gab für all das Unerklärliche, das sich in der Seele, im Innersten des Menschen abspielt.

Durch die Psychologie wissen wir heute sehr viel mehr von den seelischen Abläufen und Entwicklungen im Menschen bis hin zu schrecklichen Erkrankungen. Es ist unbestritten, dass es im Seelenleben der Menschen chaotisch anmutenden Kräfte gibt, die krank machen können. Manchmal kann man ebenso den Eindruck haben, dass sich da etwas verdichtet, das nicht nur lebensfeindlich ist, sondern sich tatsächlich als Böses zeigt. Das ist mit dem Begriff „unrein - dämonisch“ oder auch „besessen“ gemeint. Manchmal hat man ja die Empfindung, als seien diese Kräfte wie „Fremdkörper“, die unabhängig existieren und gewissermaßen von außen in das Innerste eindringen. Das kann ein seelisches Chaos auslösen, das sogar den Charakter und die Persönlichkeit verbiegen und verändern kann und den Menschen von sich selbst entfremdet. Die Psychologie und die Psychotherapie sind hier heute wichtige Hilfsmittel der Naturwissenschaften, die uns Gott durch den Verstand und unsere Entdeckungen gegeben hat.

Wenden wir uns wieder Markus und unserem heutigen Evangelium zu. Hier geht es weniger um die psychologische Ebene. Mit Blick auf den Glauben an Gottes Schöpfung, also auf die von Gott vorgegebene Ordnung der Dinge, müssen wir auf das schauen, was in unserem Evangelium von Markus mit den Begriffen „unrein“ und „heilig“ (vgl. Mk 1,23-24) angesprochen ist. Der Begriff „unrein“ im biblischen Kontext steht für alles, was von Gott und seinem guten Willen entfernt und was sich gegen das Leben richtet. Das Leben ist ja Gottes Geschenk und die Aufgabe menschlicher Existenz. „Unrein“ meint das Zerstörerische und Lebensbedrohende in der Bewegung des Innersten. „Unrein“ ist das, was den Menschen in seinem Menschsein zerstört und kaputt macht, was ihn von dem wegbringt, das in ihm an guten Möglichkeiten und Fähigkeiten grundgelegt ist; eben all das, was sich gegen Gottes Schöpfungsordnung richtet.

„Heilig“ dagegen bezeichnet das Lebensbejahende und Schöpferische, das in Gott ist und das von ihm heilbringend ausgeht. Das Ziel dieser Kraft ist es, die Entfaltung aller Gaben und Fähigkeiten und so das Leben in Fülle und damit erfülltes und erfüllendes Leben zu ermöglichen. Dafür stehen Jesus und sein heilendes Handeln. Dafür steht der Heilige Geist. Dafür steht Gott.

Und genau das haben die Menschen in der Synagoge zu Kafarnaum sofort gespürt. Darauf zielt Markus mit seinem Evangelium, mit seiner frohen Botschaft, die von der Nähe und Liebe Gottes erzählt. Jesu ist Gottes Heil und seine Worte berühren die Menschen tief – und einen von ihnen so tief, dass die ganze innere Unruhe und alles Kaputte in seiner Seele in ihm aufbrechen. Die von Markus geschilderte Reaktion der dunklen Kräfte ist vielsagend: „Bist du gekommen, um uns – die Kräfte und Gewalten des Todes – ins Verderben zu stürzen!“ so schreien sie auf, „Du, der HEILIGE Gottes! – DU, JESUS, - das Heil Gottes selbst“.

Damit öffnet der Evangelist den Blick auf Gottes Tun in Jesus:

Wenn jemand sich von Gott im Innersten berühren und treffen lässt, dann wird offenkundig, dass Gott uns Menschen heilend und neuschaffend begegnen will. Das gilt auch uns:

Wer sich auf einen geistlichen Weg, einen Weg mit Gott, einlässt, der wird im wahrsten Sinn des Wortes in Bewegung gebracht. Alles Widerständige in ihm – der Theologe Fridolin Stier spricht in diesem Zusammenhang vom „Abergeist“ – wird sichtbar. Da brechen viele Fragen über das eigene Leben und seine Sinnhaftigkeit auf: Ich muss mich mir selbst stellen. Was will ich eigentlich? Was ist richtig und wichtig? Wie soll ich mich entscheiden? Wie soll ich mich verhalten zu den Menschen, zu dieser oder jener Angelegenheit in meinem Alltag? Da bekommt der Glaube, die Botschaft des Evangeliums plötzlich einen klaren Bezug zu meinem Leben. Das ist nicht nur angenehm. Es ist manchmal ein Blick in das Dunkel und den Abgrund im eigenen Selbst, in die eigene Schwäche, in Angst und Verzweiflung. Auf sich allein zurückgeworfen ist man hilflos. Der Mann im Evangelium wird regelrecht durchgeschüttelt. Die Begegnung mit Gott kann einen Menschen erschüttern, ihn hin und her zerren, zum Heulen bringen. Es ist wie eine Katharsis – eine Reinigung! Letztlich aber führt dieser erschütternde Weg im Licht und der Liebe und mit Jesu göttlicher Hilfe zur inneren Ruhe und Klarheit, zum Heil.

Wir wissen aus den Lebensgeschichten heiliger Frauen und Männer viel von genau diesem heilenden Weg, der durch Gottes Berührung ausgelöst wird. Sie erzählen uns auch, wie wichtig es ist, auf diesem Weg sich einem erfahrenen Seelenführer und geistlichem Begleiter anzuvertrauen, der zum heilenden Jesus führen kann. Denn auch heute kann und soll das Wunder von Kafarnaum geschehen: Jesus begegnet uns, um uns in seinem liebenden Blick zutiefst zu berühren. Er will in jedem von uns eine heilsame Unruhe auslösen und dabei helfen, den guten Geist unter den vielen Ungeistern zu erkennen und ihm zu folgen, damit wir sein – Gottes – Heil an Leib und Seele erfahren und so das Leben in Fülle gelingen kann.

Ich erbitte uns Gottes heilende Liebe und bleiben Sie behütet!          Ihr P. Guido

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