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Auf dem Berg Tabor ins rechte Licht gerückt

Auf dem Berg Tabor ins rechte Licht gerückt
Auf dem Berg Tabor ins rechte Licht gerückt
Berg Tabor © katholisch.de
© Rudi Grabowski
© Rudi Grabowski

2. Fastensonntag (B) Röm 8,31b-34 und Mk 9,2-10

Das kennen wir: Will man etwas besser wahrnehmen und verstehen, dann muss man es ins rechte Licht rücken. Was für Gegenstände und Objekte gilt, gilt im übertragenen Sinne auch für Meinungen und Ansichten und auch für Personen, für Menschen. Jesus wird ins „rechte Licht gerückt“. So gewinnen wir einen Zugang zu dem, was sich da auf dem Berg der Verklärung, dem Tabor abspielt. Auf dem Weg mit Jesus haben die Jünger tiefe Erfahrungen gemacht. Heute sind es Petrus, Jakobus und Johannes, denen in gewissermaßen verdichteter Form eine besondere Erfahrung zuteilwird. Auf dem Berg – schon das ist ein wichtiger Hinweis, verbindet der Berg doch in der Tradition der Bibel immer wieder die besondere Nähe zum Göttlichen, zur Sphäre des Himmels (vgl. z.B. Gen 22,1-19 oder Ex 19,1-40,38) – auf dem Berg wird ihnen eine Perspektive auf Jesus geschenkt, die sie im vollen Sinne erst nach Ostern begreifen können. Biblische Verheißungen sehen sie auf Jesus zulaufen, wie in einer Fluchtlinie, wofür Mose und Elija stehen, die mit ihm reden. „Im rechten Licht“ sehen sie Jesus und solche Erkenntnis ist tatsächlich ein Augenblick, den man festhalten möchte, auch wenn es einem die Sprache verschlägt, wie dem Petrus, und wo eigentlich nicht wirklich Sinnvolles gesagt werden kann (vgl. Mk 9,6). Und dann, so erzählt Markus weiter, „die Stimme“ aus der Schattenwolke, die sagt: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören“ (Mk 9,7b). Jesus wird „ins rechte Licht gerückt“.

Wenige Verse vor dem heutigen Evangelium finden sich bei Markus Worte, die verdeutlichen, dass Jesus seinen Jüngern seinen Weg des Leidens und Sterbens klar machen will. Was er ihnen da sagt, geht den Jüngern und auch uns im Grunde nicht leicht ein. Da ist das Wort von der Kreuzesnachfolge und davon, dass, wer sein Leben behalten will, es verlieren wird und auch davon: Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber Schaden leidet im Innersten? (vgl. Mk 8,34-36). Warum sind es eigentlich gerade diese Freunde, diese Jünger, die Jesus mit sich nimmt auf den Berg? Schauen wir auf die drei Jünger: Da ist Petrus, ja, eigentlich Simon, Sohn des Jona. Den Beinamen gab ihm Jesus. Ein einfacher Mann. Fischer von Beruf. Gediegen, vielleicht ein wenig schwerfällig. Ihm war eine gewisse Offenheit eigen. Er hörte auf das, was andere ihm sagten. So kam er durch seinen Bruder Andreas zu Jesus.  Und er war es, der zuerst zu Jesus sagte: „Du bist der Messias, der Christus, der Erlöser!“ (Mk 8,29) und der ebenso heftig von Jesus gescholten wurde, weil er ihn von seinem Leidensweg abbringen wollte (Mk 8,31-33). Er ist es auch, der Jesus verleugnen wird (Vgl. Mk 14,30 u. 14,72). Da sind Jakobus und Johannes, Brüder, auch Fischer, „Donnersöhne“. Sie waren wohl etwas cholerisch und ziemlich emotional, sonst hätten sie nicht diesen Spitznamen gehabt. Ach ja, da gibt es auch die Stelle im Evangelium des Lukas, wo der schildert, wie diese Beiden Jesus vorschlagen, auf ein ungastliches Dorf Feuer vom Himmel regnen zu lassen (vgl. Lk 9,54). Jakobus mit dem Beinamen „Herrenbruder“. Er wird später der Leiter der Jerusalemer Urgemeinde und wird als erster der Apostel für Jesus sterben (vgl. Apg 12,2). Und natürlich sein Bruder Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, der tief Empfindende, der Verfasser des vierten Evangeliums und der Offenbarung. Diese drei Jünger sind mit all ihren Persönlichkeitsmerkmalen und auch den charakterlichen Besonderheiten und Schwächen Repräsentanten nicht nur der Jünger, sondern für uns alle, für die Kirche.

Wenn wir im Evangelium des Markus weiterblättern, fast bis zum Schluss, dann erzählt uns der Evangelist, wie Jesus die Drei, die mit ihm auf dem Berg waren, noch einmal mit sich nimmt (vgl. Mk 14,32-42). Es ist am Abend vor seinem Leiden. Sie sahen auf dem Berg den Glanz des geliebten Sohnes aus Jesus leuchten. Im Garten Getsemani sehen sie ihn in Todesangst und tiefer Traurigkeit. Da steht noch ein Wort, das es schwer hat, gehört zu werden: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ (Mk 14,38). Es ist wieder Markus, der Evangelist, der diesen Spannungsbogen aufbaut vom Berg der Verklärung bis hin in den Garten Getsemani. Der Berg der Verklärung und der Garten der Angst gehören zusammen. Die Jünger, die Kirche, wir: Es ist nicht angenehm zu hören, wie schwach wir sind und wie leicht der Boden unter den Füssen zu schwanken beginnt; wie leicht wir uns verlieren und verirren – und dass wir unseren Glauben, allein im Festhalten an der Treue Gottes und im „in IHM Sein“ des Gebetes wirklich festmachen können. Die Erfahrung der Drei an beiden Orten ist so gewichtig, dass sie nicht breitgetreten werden kann. Sie wird allzu leicht zerredet. Sie machen diese Erfahrung für den inneren Kreis um Jesus und für die Kirche, für uns alle. Da gibt es das Licht, in dem uns aufgeht, wie Gott selbst in Jesus bei uns ist, und es gibt das Dunkel, worin der Glaube in einer einzigen Fragwürdigkeit unterzugehen droht. Da gibt es jene Augenblicke, die überwältigend sein können in der Erfahrung der Geborgenheit in Gottes Liebe, durch die Entdeckung des Lebenssinnes beispielsweise oder in der Zuneigung durch geliebte Menschen, und es gibt Schicksalsschläge, Krankheiten, Zerbrechen von Lebensplänen, Verlust von Nahestehenden, die alles in ein schreckliches Dunkel und den Abgrund der Verzweiflung zu ziehen drohen.

Petrus, Jakobus und Johannes sehen, wie Jesus in all dem der geliebte Sohn bleibt, der sich ganz in die Arme des Vaters wirft: Wie du willst! Nimm mich auf! – Und sie bringen vom Tabor und dann auch aus Getsemani den alltäglichen Weg des „Dazwischen“ mit: Den Weg, auf dem weder das Licht leuchtet noch das Dunkel der Angst bedrängt. Es ist der Weg der täglichen Treue und Liebe, auf dem es auf IHN zu hören gilt. Abschnitte, wie der, auf dem wir jetzt sind, dieser Weg der Fastenzeit in Richtung Ostern, auf denen der Weg hinter dem Herrn her stets neu zu suchen ist. „Dazwischen“, da sind die wichtigen und normalen Tage und Monate und Jahre, in denen der Herr uns lehrt, wie wir das Leben gewinnen und wie wir es aus Liebe loslassen, um es in JESUS im GEIST und im VATER neu zu finden.

Lassen wir uns von JESUS mitnehmen…     Seien Sie gesegnet und behütet!       Ihr P. Guido

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