15.08.2026

Himmelswerbung

Predigt zum Hochfest Maria Himmelfahrt

Offb 11,19a; 12,1-6a.10ab; 1 Kor 15,20-27a u. Lk 1,39-56

 

Noch sind wir im Hochsommer. Noch ist Urlaubs- und Ferienzeit, zwar nicht überall, aber dennoch… Waren Sie weggefahren? Viele nutzen diese Zeit dazu. Familien wegen der Ferien, Betriebe aus ganz ähnlichen Aspekten. Eine Frage: Wenn Sie unterwegs waren, wie suchen sie ihren Urlaubsort aus? Wenn sich die Chance bietet, eine neue Gegend kennen zu lernen, dann besorgt man sich Prospekte oder surft im Internet auf entsprechenden Seiten oder man stöbert vielleicht in der Lieblingsbuchhandlung nach guten Reiseführern. Spannend, wie unterschiedlich die Informationen ausfallen! Und immer im Hinterkopf die Frage danach, worauf man sich denn verlassen kann. Man wird doch oft belogen: Da gibt es Werbung für Orte, in der das Blaue vom Himmel herunter geflunkert wird. Woanders ist die Information so fade und uninteressant gestaltet, dass man sich überhaupt nicht informiert fühlt.

Warum ich das erzähle, fragen Sie? Wissen Sie, „das Hochfest der Aufnahme Mariens mit Leib und Seele in den Himmel“ – umgangssprachlich „Maria Himmelfahrt“, sehe ich unter anderem wie einen ganz speziellen Werbeprospekt. Denn dieses Fest ist nicht nur eine Ankündigung, sondern gibt eine Vorschau auf unsere Zukunft: Dieses Fest feiert, dass an Maria vollendet ist, was uns verheißen wurde! Es ist ein Fest das mehr hergibt als der beste Werbeprospekt und mehr als die informellste Homepage. Wieso? Fragen Sie.

Was im Jahr 1954 von Papst Pius XII. verlässlich als Glaubenssatz formuliert wurde, „…dass… Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde“, sagt nämlich nicht nur über Maria etwas aus, sondern auch über uns.

Was an und mit Maria geschehen ist, soll ebenso verlässlich an uns geschehen. Das erste Element - Marias irdisches Leben - redet von einem konkreten Menschen. Sie war ganzer Mensch. Mit Hoffnungen, Fragen, Sorgen. Mit der Geduld, ihr so wunderbar empfangenes Kind, ihren Sohn, nicht abzuschreiben, sondern in Wagemut mit ihm Schritt zu halten. Ihr Leben kannte harte Grenzen: Seinen schrecklichen Kreuzestod und am Ende auch die des eigenen Sterbens. Das und auf dieser Ebene noch viel mehr und ebenso ihr treues Vertrauen und ihr Glaube an Gottes Nähe ist die verlässliche Aussage, dass sie Mensch war, wie wir es sind, ein Mensch, der alles tat, um Gott nahe zu sein und doch alles von Gott erwartete. Sie ist Mensch wie wir und ist ganz in und bei Gott.

Der Glaubenssatz des Papstes nimmt das Menschsein in den Blick, indem er sagt: „… mit Leib und Seele“. Der Leib ist mehr als nur Vehikel für die „unsterbliche Seele“. Das weiß die Kirche seit alters her und kümmert sich wie Jesus selbst um den Leib: Sie speist Hungernde, pflegt Kranke, sorgt für menschenwürdige Lebensbedingungen ... das heißt deshalb auch: Kirche muss auch politisch sein, sich um die POLIS, die Gemeinschaft der Einwohner, kümmern. Das Lied der Maria im Evangelium, das „Magnificat“ sagt das klipp und klar, wenn es von den Reichen und Mächtigen und von den Kleinen und Armen redet.

Diese Botschaft von einem Gott, der sich um Leib und Seele kümmert, ist eine wichtige Feststellung: Es geht Gott um mehr als nur um die Seele! Der ganze Mensch ist im Blick des Glaubens: Leib und Seele in ihrer Durchdringung! Wer sich vom Evangelium führen lässt, dessen Blick wird genau deshalb auf die Armen und Bedrängten gelenkt, aber auch auf die Aussichten der Reichen und Mächtigen. Wer sich auf das Evangelium beruft, muss die Welt sehen, wie sie ist. Die Welt geht fehl, wenn sie sich nur des Leibes annimmt, nur der Materie. Das ist zu wenig! Zum Leben muss die Materie vom Geist, von der Beseelung durchdrungen sein. So ist der Mensch nur Mensch und lebendig, wenn sich Leib und Seele durchdringen. „Leben ganz in Gott“ ist also der zweite Punkt der Glaubensaussage.

Der dritte Aspekt ist die: „Himmlische Herrlichkeit“. Wie farblos und unattraktiv sind doch unsere Vorstellungen vom Himmel! Da geht es nicht um das Sitzen auf einer Wolke und darum, ein wenig rumzujodeln. Kein Wunder, dass da niemand hinwill, dass man es allemal vorzieht, lieber ein paar Jährchen mehr auf Erden zu leben. Wie anders redet dagegen Jesus vom Himmel! Bilder über Bilder und Geschichten malt er aus, die Feste, die Gemeinschaft, die Fülle, lauter Situationen, die man lieber heute als Morgen verwirklicht hätte, Fantastisches, mehr als jeder Urlaubsort hergibt. Dieser Himmel Jesu ist der Ort Mariens, sein Himmel ist unsere Zukunft.

Und ein letzter Aspekt: „Aufgenommen“. Wir machen es nicht. Was wir machen, mag noch so wunderbar sein. Aber letztlich ist es vergänglich und nicht perfekt. Es ist Gott selbst, der handelt. Er, der ins Leben ruft, er vollendet auch. Er bringt seine Schöpfung vollendet ins Ziel. Das nimmt uns als Geschöpfen den Druck weg, befreit. Wir müssen nicht perfekt sein. Das ist eine gute Aussicht und ein Blick auf die Zukunft voller Hoffnung.

Und jetzt kommen wir zu dem, was dieses Fest am Ende zur besonderen Ankündigung macht: Maria besingt im Magnificat, in diesem großen Lobgesang auf Gott all das, was noch geschieht und geschehen wird. Es ist alles noch nicht da, noch nicht greifbar, noch nicht verwirklicht - damals nicht und heute nicht: Die Mächtigen machen sich immer noch breit auf ihren Thronen, die Hungernden schreien immer noch nach Brot, der Tod mag allemal noch über das Leben triumphieren ... Doch allen Nachrichten zum Trotz: Das wunderbare Wirken hat unübersehbar begonnen. ER hat es in Maria uns zum Zeichen vollendet und wird es an uns geschehen lassen!

So heißt es mit Recht im Tagesgebet dieses Hochfestes:

„Gib, dass wir auf dieses Zeichen der Hoffnung und des Trostes schauen und auf dem Weg bleiben, der uns hinführt zu deiner Herrlichkeit.“ Auch bei uns hat schon etwas begonnen; es gilt, auf dem guten Weg zu bleiben, der uns selbst zu Zeichen der Hoffnung und des Trostes macht, zu farbenfrohen, glaubwürdigen Prospekten dafür, dass Gott das Gute zu wirken im Stande ist – auch mit uns und auch durch uns!

Seien Sie gesegnet und bleibt behütet!                                                         Ihr P. Guido

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