25.09.2026
Mit dem Herzen hören
A – Ez 18,25-28; Phil 2,1-11 u. Mt 21,28-32
Warum tun wir uns so schwer mit dem Hören auf Gottes Wort und auch mit einem Handeln, das aus diesem Wort inspiriert wird? Mag sein, dass einem Gott und sein Wort gleichgültig ist, oder – das wäre dann die andere Seite in der Betrachtung –, dass wir an die Szene aus dem Ölgarten Gethsemane denken am Vorabend des Todes Jesu. „Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vor über. Aber nicht wie ich, sondern wie du willst“ (vgl. Mt 26,39-42 u. parr.). Auch wenn man es in unserer aufgeklärten Zeit und Gesellschaft kaum für möglich hält, die Befürchtung scheint in vielen zu stecken: Wenn man sich auf diesen Gott einlässt, wer weiß, was dann geschieht, dann wird das Leben vielleicht noch schwerer! Kann es sein, dass wir so sehr darauf fixiert sind, nur ja unsere Eigenständigkeit und Selbstbestimmung nicht zu verlieren, dass wir auf der anderen Seite gar nicht merken, von welchen entmenschlichenden Kräften, sei es wirtschaftlich oder auch sozial, wir oft gesteuert und fremdbestimmt werden. Und dann kommt auch noch die Religion und will uns, die wir unsere eigenen Herren sein wollen, sagen, was wir zu tun oder zu lassen haben. „Gehorchen“ – „Gehorsam“ hat ja so einen negativen Beigeschmack!
In welche Situation hinein erzählt Jesus dieses Gleichnis von den beiden Söhnen? Da sind die Ältesten und die Hohepriester, die wissen ja wie Glaube und Religion und auch alles andere zu funktionieren hat. Gerade ihnen erzählt Jesus dieses Gleichnis. Von außen betrachtet geht es darum, dass sich der Konflikt zwischen Jesus und denen, die wissen, wie man zu leben und zu glauben hat, zuspitzt und das sind eben die Hohepriester und die Pharisäer. Jesus will hier gerade diesen Leuten deutlich machen, dass es nicht um eine einfache „pro forma Erfüllung“ der Gesetzesbuchstaben geht, wenn nach dem Willen Gottes gefragt wird, sondern um eine Herzenssache. Eine Angelegenheit, die in der Tiefe der eigenen Existenz danach fragt, was denn das Herzensanliegen der Weisung Gottes ist. Im Zusammenhang der Lebensgestaltung sind da natürlich die wirklich Betroffenen, die Zöllner und Dirnen, näher dran, wenn sie als Menschen, die von ihren falschen Wegen umkehren, gewissermaßen im zweiten Anlauf dann doch auf Gott und sein Gebot hören.
Was kann helfen, den Willen Gottes als eine Hilfe für das eigene Leben zu begreifen und ihm dann aus besserer Einsicht auch nachzukommen? Da ist zuerst einmal die bewusste Annahme, dass Gott von und mit uns Menschen als seinen Geschöpfen und Partnern, oder sagen wir Freunden, nichts Böses will oder vorhat. Ja, ich muss mein Denken so verändern, dass ich Gott als wohlwollendes DU und damit als Dialogpartner begreife. Wir sind nicht einfach kleine oder größere Räder oder auch Maschinenteile in einem unpersönlichen System. Gott selbst begegnet seiner Schöpfung in Jesus auf Augenhöhe und lädt uns ein, mit ihm das Werk seiner Hände im Guten zu vollenden. So können wir das Leben eher als gemeinsames Wirken in einem persönlichen Werk begreifen, auf das wir jetzt beginnend und am Ende dankbar schauen dürfen. Dazu gehört eine große Portion beiderseitiges Vertrauen. Gott hat uns die Welt und unser Leben anvertraut, weil er uns vertraut und an uns glaubt. Und wir?
Umkehr von falschen Wegen, Veränderung im Leben, sie beginnen mit der Einsicht, dass das bisherige Verhalten vielleicht unecht und blutleer war, dass es im religiösen Leben bloß ums Funktionieren ging und um ein angstvolles Ringen, weil man die Oberhand gegenüber einem Gott behalten möchte, den man nicht kennt und auch nicht kennen kann, weil er einem fremd ist. Da ist es notwendig, ihn kennenzulernen und Vertrauen und Dankbarkeit neu einzuüben. Ich erinnere mich daran, dass ich in den Briefen eines einfachen Ordensbruders las, der sich auch damit beschäftigte, wie man denn Gott näherkommen könnte. Er schrieb, dass er in vielen Büchern darauf keine Antwort gefunden habe. Dann habe er beschlossen, er wollte nichts anderes tun als „Gott zu gehören und in seiner Gegenwart zu leben“. Und so begann er, genau das immer und immer wieder in Gedanken und auch im Wort zu wiederholen: „Danke Gott, dass du da bist. Danke, dass ich ganz dir gehören darf!“ Und was am Anfang schwer war und auch schwer durchzuhalten, das wurde, wie er sagte, ihm ständige Praxis, auch wenn es immer unvollkommen war. So wurde dieses Tun zur Gewohnheit, und schuf eine Art heilige Freiheit und Vertrautheit mit Gott. ( Bruder Lorenz „All meine Gedanken sind bei dir - In Gottes Gegenwart leben“, hersg. v. Reinhard Deichgräber, Neudorf 5/2026.)
Das verändert von Grund auf die Beziehung zu Gott: Wenn man treu ist und sich immer in Gegenwart Gottes hält, wenn man ihn im eigenen Herzen weiß, dann werden wir davon abgehalten, ihn durch unser Handeln zu beleidigen oder etwas zumindest nicht absichtlich zu tun, was gegen Gottes Weisungen gerichtet ist. Im Übrigen gilt dieses Prinzip – und vor allem Liebende und anderen zugewandte Menschen leben danach und daraus – auch gegenüber anderen Menschen und es lässt sich in Bezug auf die ganze Schöpfung anwenden.
Wie gut, dass Gott – und das lerne ich aus dem wie Jesus lebt, spricht und handelt – ein geduldig wartender und verzeihender Gott ist. Er gebe, dass in uns die Bereitschaft wachse, unser Leben mehr und mehr auf ihn hin zu leben.
Seien Sie so gesegnet und bleibt behütet!
Ihr P. Guido