30.09.2023

Wir feiern an diesem Sonntag „Erntedank"

Predigt zum 26. Sonntag im Jahreskreis von Pater Guido Dupont OCist
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Predigt zum 26. Sonntag im Jahreskreis – A – Ez 18, 25-28, Phil 2, 1-5 und Mt 21, 28-32

Was haben sie nicht im Blick, die Hohepriester und die Ältesten? Was haben sie vergessen? Man muss schon genau hinhören und auch hinschauen, will man Jesus und sein Anliegen in den Worten des Evangeliums entdecken. Im Zusammenhang des Textes betrachtet geht es darum, dass sich der Konflikt zwischen Jesus und denen, die „wissen wie man zu leben und zu glauben hat“, den Ältesten und Hohepriestern, zunehmend verschärft. Nun ja, sie haben ihrer Meinung nach die Verantwortung für die Menschen und ihren Glauben durch ihr religiöses Amt und ihre Stellung in der Gesellschaft und sie fühlen sich in dieser Verantwortung und auch den schwierigen politischen Verhältnissen unter der Bedrückung durch die Besatzungsmacht der Römer von Jesus bedroht. Da ist dieser Jesus und stellt das Überkommene, die tragende Tradition in Frage. Dem sei Gott vor! Das und vielleicht auch persönliche Interessen und manches anderen lassen sie am, wie sie meinen, „Bewährten“ festhalten. Und so sehen sie das Anliegen Jesu nicht, der sie und alle des auserwählten Volkes in eine neue und lebendige Beziehung zu Gott bringen möchte.

Mich erinnert die Haltung der Ältesten und Hohepriester an die Haltung jener Christen, die der berühmte dänische Theologe des 19. Jahrhunderts Sören Kierkegaard (1813-1855) einmal in einer Art Gleichnis als Kritik so auf den Punkt gebracht hat. Kierkegaard sagt in seiner „Parabel von den Gänsen“: „Sie lebten auf einem großen Bauernhof. An jedem Sonntag versammelten sich alle in der Mitte des Hofes. Ein alter Gänserich stieg dann auf ein Podest. Von dort aus redete er zu ihnen über das Wunder der Gänse. Er erzählte dabei von der herrlichen Vergangenheit. Da, so pflegte er dann zu sagen, da gab es Zeiten, in denen eure Vorfahren es wagten zu fliegen. Und er schilderte mit vielen Worten wie die Gänse früher sogar große Erdteile und Meere überquerten. Immer schloss er damit, die Güte des Schöpfers aller Dinge zu preisen, der den Gänsen verlieh, Flügel zu haben und einen Instinkt zu fliegen.

Und immer waren die Gänse beeindruckt von seinen Worten. Vor Ergriffenheit senkten sie die Köpfe und pressten die Flügel an ihre Körper. Dann, so innerlich aufgebaut, gingen sie wieder zu ihren gewohnten Orten im Hof, lobten die Beredtheit des Alten… aber fliegen kam ihnen nicht in den Sinn. Dazu stand das Korn zu gut und übrigens war der Hof ja auch ein sicherer Ort.“

Kehren wir zu den Fragen des Anfangs zurück. Ich fragte danach, was die Ältesten und die Hohepriester nicht im Blick und was sie vergessen haben. Sie haben die Perspektive des göttlichen Bundes mit Israel verloren, die Größe der Freiheitstat Gottes in der Befreiung aus der Knechtschaft aus Ägypten. Sie haben sich eingerichtet und sind der Meinung, alles sei der Verdienst ihrer Klugheit, ihres wirtschaftlichen Sachverstandes, ihrer religiösen Zeremonien und ihrer politischen Tätigkeit. So haben sie vergessen, dass Gott und seine Weisungen sie zu etwas berufen haben, das weit über all das hinwegreicht. Sie haben aus dem Blick verloren, dass der Bund mit Gott ihnen die Gabe geschenkt hat, sein Zeichen der Liebe für die Welt zu sein. Sie haben verdrängt, dass das Reich Gottes, das Freiheit bedeutet und Gerechtigkeit, Solidarität und Liebe, nur denen zukommt, die dankbar und mit dem Herzen hörbereit sich seinem Ruf öffnen und von falschen und irrigen Wegen zu Gottes Wegen umkehren.

Jesus stellt ihnen, und lassen sie es auch für jeden und jede von uns gelten, die Verpönten und am Rand der Gesellschaft Stehenden, die Zöllner und Dirnen, die der Bußpredigt des Johannes geglaubt haben, als Beispiele der Umkehr vor Augen. Sie haben ihre Fehler und Schwächen bereut und waren bereit zur Veränderung ihres Lebens. Bei vielem von dem, das auch uns in der Kirche und der Welt als Krise und Bedrohung belastet, liegt die Wurzel des Unheils darin, dass wir zu sehr nur alles als unser eigenes Schaffen und Machen sehen, das wir dann oft aus Angst auf Biegen und Brechen mit Gewalt festhalten wollen. Wer Gott und seine Liebe vergisst, der verliert auch seine Menschlichkeit und die Gefahr ist groß Gottes Schöpfung mit in das Verderben zu reißen.

Kindermund tut Wahrheit kund, sagt ein Sprichwort. Da betete ein Kind: „Lieber Gott, ich danke dir, beide Hände reich ich dir, einmal hin, einmal her, rundherum, das ist nicht schwer.“ Klar, sie haben es sicher bemerkt, da ging ein Gebet und ein Kinderlied durcheinander. Aber wahr ist es: „Lieber Gott, ich danke dir“. Das ist das Erste, was der Kindermund lehrt: Dankbarkeit neu einzuüben als Grundlage des Lebens. Einfach davon ausgehen, dass Gott es ist, der alles geschaffen hat und dass er nichts Böses will. Na, ja, da ist noch unsere Erfahrung. Oft haben uns bittere Lebenserfahrungen hart und verschlossen gemacht. Oft erwarten wir nichts Gutes mehr vom Leben. Trotzdem: Es ist entscheidend immer wieder davon auszugehen, dass Gott uns gut will, auch wenn wir es nicht glauben wollen.

„Lieber Gott, ich danke dir. Beide Hände reich ich dir ...“ Dankbarkeit und dann Vertrauen als Grundhaltungen geben den Mut, sich einzulassen auf das Leben. Sich einlassen auf das Leben aber bedeutet nichts anderes als hinzuhören, was gerade jetzt Gottes Botschaft an mich ist. Sich einlassen auf das Leben, das bedeutet nichts anderes als einzuschwingen in den Willen Gottes. Das Gute, das also, was zum Guten führt, Gottes Wille ist dann nichts von außen, das mir aufgepresst wird. Da wird tatsächlich das Gebet zum Lied, zur Musik, zum Tanz: Ein Tanz gelingt, wenn Partner aufeinander einschwingen, aber einer dabei die Führung hat, und wenn beide Tanzpartner so immer mehr „in Wort und Antwort“ hineinfinden in eine gemeinsame Harmonie. Sich der Führung Gottes anvertrauen und so in Wort und Antwort einschwingen in eine gemeinsame Lebensbewegung. „Lieber Gott, ich danke dir, beide Hände reich ich dir, einmal hin, einmal her, rundherum, das ist nicht schwer.“

Wir feiern an diesem Sonntag Erntedank. Wie wäre es, den Dank an Gott und seine Liebe so zu nutzen, dass uns neu klar werden kann: Alles, was wir sind und haben, ist uns gegeben, damit wir im Lob Gottes zu ihm finden und damit auch zu der in uns grundgelegten Menschlichkeit und Solidarität, zu seinem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens. Dazu will uns Jesus leiten.

Seien Sie in der Liebe Gottes gesegnet und behütet!                                             Ihr P. Guido

Die Messtexte zum 26. Sonntag im Jahreskreis

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