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„Wenn ich nur sein Gewand berühre…“

„Wenn ich nur sein Gewand berühre…“
„Wenn ich nur sein Gewand berühre…“
Jesus hat kaum eine Chance im Gewühl der Menge, die zu finden, die sein Gewand berührt und von seiner Kraft genommen hat. © Pixabay
© Pater Guido
© Pater Guido

Predigt zum 13. Sonntag im Jahreskreis (B)
Weish 1,13-15; 2,23-24 und Mk 5,21-43

Jesus bricht zu neuen Ufern auf. Er fährt mit dem Boot wieder einmal auf die andere Seite des Sees. Orte und Ortswechsel spielen in den Erzählungen des Evangelisten Markus, ja in der ganzen Bibel eine große Rolle. Solche Ortswechsel und die Orte bezeichnen meist eine besondere Situation. Genauso ist es mit dem Aufbruch des Abraham aus seiner Heimat in das Land, das Gott ihm zeigen wird, mit dem Auszug der Israeliten aus der Gefangenschaft in Ägypten, dem Weg Jesu nach Jerusalem, den Missionsreisen des Paulus.

Am anderen Ufer des Sees findet Jesus im Markusevangelium nach dem Besessenen von Gerasa (vgl. Mk 5,1-20) – das ist der Zusammenhang - zwei Frauen vor, die seine Hilfe brauchen: die blutflüssige Frau und die Tochter des Jairus. Beiden ist das Leben weggelaufen; der einen wortwörtlich in ihrem unstillbaren Blutverlust, der anderen auf ihrem Weg in den Tod. Für beide scheint keine Zukunft möglich zu sein: bei der einen steht der Tod schon vor der Tür, die andere stirbt durch ihre Blutungen in Raten, dazu vom Leben ausgeschlossen, unberührbar nach dem jüdischen Gesetz. Beiden ist die Hilflosigkeit als Schicksal aufgegeben: Kann die eine sich noch selbst bewegen, aber keine Worte mehr finden für ihre Not, hat die andere nur noch den Vater, der sich für sie auf den Weg macht und ihrer Ausweglosigkeit seine Stimme leiht. Übrigens: Der Synagogenvorsteher heißt, wie wir hörten „Jairus“. Dieser hebräische Name hat eine Bedeutung und die lautet: „Jahwe weckt auf“.

Jesus ist ebenso im Blick. Er wurde „berührt“, also nicht einfach angerempelt. Nein, mit der Absicht, Teilhabe an ihm zu finden, hat ihn die Heilungssuchende „berührt“. Er hat kaum eine Chance im Gewühl der Menge, die zu finden, die sein Gewand berührt und von seiner Kraft genommen hat. „Wenn ich nur sein Gewand berühre…“ Es ist heilende Kraft in Jesus, Gott selbst, Gottes Kraft, heilender, Heiliger Geist. Er, der Gottes- und Menschensohn muss in seiner ganzen Menschlichkeit bis aufs Hemd und den Mantel durchlässig werden für den himmlischen Vater: Gott selbst, der Schöpfer und sein Geist handeln in ihm und durch ihn als absolute Lebensmacht. Das ist es, was der Evangelist weitergeben will.

Mit der Tochter des Jairus wird noch einmal verstärkt, was geschieht. Ihre Erweckung wird als die erste Totenerweckung im Markusevangelium geschildert. Das ist ein Aufbruch in die Mitte des Geheimnisses von Tod und Leben selbst. Aussätzige geheilt, Gelähmte wieder auf die Füße gestellt, böse Geister ausgetrieben – das ist alles schon auf seinem Weg durch Galiläa geschehen. Und immer war dieses Geschehen zumeist mit der Frage „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ verbunden. Jetzt ist es anders. Der Tod, der letzte Feind fordert Jesus heraus. Sich vom unaussprechlichen Leid, ja, vom Tod berühren zu lassen, mehr noch, selbst das Unberührbare, den Tod zu berühren, damit Gottes Leben den Weg zum Menschen findet, das ist Jesu Weg – sein eigener Tod wird greifbar. Die einzige Bedingung, die Jesus selbst dem Jairus – denken wir daran, der Name bedeutet „Jahwe weckt auf“ – sagt: „Glaube nur ganz!“

Und wie kommen wir vor?

Das Wort des Glaubens, der Bestätigung der Heilung der Blutenden, „dein Glaube hat dir geholfen“ und das Glaubenswort an Jairus „glaube nur ganz“, geben die Richtung vor.

Legen wir die Ängstlichkeit und den Mangel an Gottvertrauen ab! Lassen wir uns wie Jesus anrühren vom Todgeweihten! Setzen wir uns dem schrecklichen Leid, dem unaussprechlichen des Todes aus, ohne Angst, im Krebskranken, im Sterbenden und im seelisch Verzweifelten! Auch wenn du selbst betroffen bist. Tue, was nötig ist und vertraue auf Gottes Kraft! Nimm den Mitmenschen bildlich gesprochen an die Hand – „talita kum!“ –und lebe selbstverständlich und gelassen froh mit dem gottgeschenkten Leben.

Das kennzeichnet von Jesus her die Liebe und die Gemeinschaft des unbedingten Glaubens an das Leben in Gott. Das alles dürfen wir als Jüngerinnen und Jünger Jesu auch heute als neue Offenbarungsweisen Gottes entdecken und staunend sagen: „Der Glaube an den Gott des Lebens hat geholfen!“ Denn am Ende steht nicht der Tod, sondern das Leben! Paul Gerhardt hat das in einem Osterlied 1653 ins Wort gebracht als er schrieb: „Des Lebens Leben lebet noch…“ (Gotteslob Anhang Limburg Nr. 782).

Keine magischen Zaubertricks, keine Trompeten und Posaunen, kein Aufsehen und kein Lärm des Wunderbaren braucht dieser Jesu und auch wir brauchen das nicht, Gott allein genügt – „Solo dios basta!“, wie die große Theresa von Avila sagt und das Fest des Lebens, das Reich Gottes beginnt!

In seiner unfassbar großen Liebe hat sich Gott und Gottes Geist in Jesus ganz an den Menschen gebunden. Er will im Menschen sein und durch den Menschen wirken und heilen und Leben schenken! Der Kern und die Zusage an sein Volk, damals auf dem Sinai „Ich bin da und werde Dasein in eurer Mitte, in eurer Geschichte und eurem Leben“ (vgl. Ex 3,14f), ist jetzt in Jesus neu ausgesprochen, neu bis in unsere Tage und erfahrbar im Miteinander der Herzen. So wie es Dietrich Bonhoeffer im Angesicht des eigenen Sterbens hoffnungsvoll sagte: „Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

 

Seid so gesegnet und behütet!                                                 P. Guido

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