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Vielleicht sind Frauen dazu eher fähig...

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© Rudi Grabowski
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Predigt zum 25. Sonntag im Jahreskreis (B) – Weish 2,1a.12.17-20 und Mk 9,30-37

Darf ich Sie in die Werkstatt der Schriftauslegung einladen? So können wir – wie ich denke – besser verstehen, was uns heute im Evangelium nahegebracht werden soll.

Dreimal wirbt Jesus in den Evangelien (nach Matthäus, Markus und Lukas) um Ver­ständnis bei seinen Jüngern, dass der Menschensohn vieles erleiden müsse.Jedes Mal, so erzählt Markus, kommt es dabei zu einer Kon­frontation - beim ersten Mal mit Petrus („Hinter mich, Satan“,fährt er ihn an, „du hast nicht das im Sinn, was Gott will, son­dern was die Menschen wollen“, vgl. Mk 8,27-35)- beim drit­ten Mal mit zehn von seinen Jüngern („… wer bei euch groß sein will“, sagt er ihnen, „der soll euer Diener sein“, vgl. Mk 10,35-45) - und beim zweiten Mal, davon haben wir gerade gehört, setzt sich Jesus mit dem Jüngerkreisauseinander - weil sie unterwegs darüber gestritten haben, wer der Erste unter ihnen sei. Jesus nennt die entscheidende Regel, die in der Gemeinde Gottes Geltung hat: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen sein und der Diener aller“ (Mk 9,35b).Er sagt: Wer der Erste sein will.Im später geschriebenen Lukas-Evangelium steht es anders. Da lesen wir: „Der Führende unter euch soll werden wie der Dienende“ (vgl. Lk 22,26).Da haben sich nämlich bereits Ämter in der Gemeinde des Lukas etabliert: Da gibt es schon „Füh­rende“ und „Geführte“. Markus ist früher dran mit seinem Text und scheint näher bei dem, was Jesus gesagt hat: Wer überhaupt auf die Idee kommt, der Erste sein zu wollen, der kann das nur sein, wenn er auch der Diener aller sein will.

Hat Jesus damit zu hohe Erwartungen an seine Jünger gestellt? Die Frage lässt sich beantworten. Wir brauchen nur im Markus-Evangelium nach­zulesen, wo vom „Dienen“ nur geredet oder ob tatsächlich auch „gedient“ wird. Ich nehme Sie mit auf meine Suche.

Sechsmal nur bin ich bei Markus auf das Verb „διακωνεω“, die griechische Wurzel für „dienen“gestoßen. Die Belege sind schön verteilt: dreimal in Reden Jesu und dreimal im erzählenden Rahmentext des Evangelisten. Jesus stellt nicht nur die Regel auf, dass die, die nach der ersten Position streben, das Amt des „Dieners“ übernehmen sollen; er kann dabei auf sein eigenes Bei­spiel verweisen: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“(Mk 10,45).Und wo erzählt der Evangelist vom Dienen?Wo ist davon die Rede, dass Jesu Vorgabe eingehalten wird? Ich nenne einfach einmal die Stellen: Am Ende der Notiz über Jesu Versuchung heißt es: „Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm“ (Mk 1,13).- Bei der Heilung der Schwie­germutter des Petrus heißt es: Jesus „fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie diente ihnen“ (Mk 1,31).- Und von den Frauen unter dem Kreuz sagt Markus: „Sie waren Jesus schon in Galiläa nach­gefolgt und hatten ihm gedient“ (Mk 15,41).Das also ist der Befund: Markus erzählt nur von wenigen, die dem Appell Jesu zum DienenFolge geleistet haben: Jesus selbst, die Engel und einige Frauen. Leider findet sich in der Literatur kaum etwas, das den Dienst der Frauen ernst nimmt und als das ansieht, was den Erwartungen Jesu an seine Jünger entspricht. Markus, so heißt es, wolle lediglich eine „Anspielung auf materielle Unterstützung“ Jesu durch die Frauen machen. Oder es sei „bloß“ Hausarbeit mit diesem Dienen gemeint. Aber gerade, wenn wir das Markus-Evangelium als Ganzes in den Blick nehmen, er­scheinen solche Abschwächungen des Dienstesder Frauen als ganz und gar nicht gerechtfertigt.

Was Markus über die Frauen unter dem Kreuz anmerkt, han­delt ja nicht zufällig vom Dienen.Wenn Jesus die Jünger über das Dienen belehrt, dann spricht er stets auch von sei­nem bevorstehenden Leiden. Schauen wir auf diesen Zusammenhang, so wird deutlich, dass sowohl in den Worten Jesu als auch in der Notiz des Markus von ein und derselben Art des Dienens die Rede ist: Dienen bedeutet die Nachfolge Jesu bis ins Leiden. Die Frauen unter dem Kreuz sind nicht nur die, die gedient haben. Sie sind auch jene, die Jesus von Galiläa, also von Anfang an, bis unter das Kreuz nach­gefolgtsind. Sie haben offensichtlich das Wort Jesu begriffen: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinet­willen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten“ (Mk 8,34-35).Nachfolge bis zum Kreuz und liebendes Die­nen gehören also untrennbar zusammen. Weil die Frauen Jesus bis unter das Kreuz nachgefolgt sind, werden sie Zeuginnen seiner eigenen dienenden Hingabe bis zum Äußersten. Die Jünger haben sich längst aus dem Staub gemacht und sind vor Angst weggelaufen. Gelegentlich kann man lesen oder hören, die Frauen hätten es leichter gehabt, in der Nähe Jesu zu blei­ben, weil sie (damals) nicht als „öffentliche Personen“ gegol­ten und deshalb nichts zu befürchten gehabt hätten. Das ist ein überaus schwaches Argument für das Versagen der Jünger! Wieso nicht dieAnnahme gelten lassen, dass die Frauen mutiger gewesen sind? Wieso nicht den Evangelisten sagen lassen, was er ohne Zweifel sagen will: Dass in einer ganz zentralen Frage die Frauen im Jüngerkreis Jesu gelehriger gewesen sind als die Männer? Wenn das heutige Evangelium auch unsetwas zu sagen hat – und das hat es ohne Zweifel -, dann sollten wir beides stehen lassen und die Spannung aushalten: die wiederholte Kritik Jesu an den Zwölfen - und das Zeugnis des Evangelisten Markus für den Dienst der Frauen. Alle Abschwächungen sind Abschwächungen der frohen Botschaft von der Königsherrschaft Gottes. Diese Kö­nigsherrschaft anzuerkennen heißt in der Konsequenz, auf Machtausübung zu verzichten - in welcher Form auch immer. Vielleicht sind Frauen dazu eher fähig. Dort, wo wir Gott wirklich König sein lassen, wird nicht geherrscht, sondern gedient. Mir kommt ein Wort von Mutter Theresa von Kalkutta in den Sinn, die mit Blick auf ihre Arbeit für die Sterbenden und Ärmsten der Armen davon sprach, dass man in der Nachfolge Jesu „lieben müsse, bis es weh tut“. Das ist der wahre Dienst.

 

Seien Sie gesegnet und behütet!                                                                    Ihr P. Guido

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