Predigt zum 22. Sonntag im Jahreskreis – C –
Sir 3,17-18.20.28-29; Hebr 12,18-19.22-24a u. Lk 14,1.7-14
Zu Besuch....
Wie Jesus Menschen wahrnimmt, wie er es wagt, auszusprechen, was er sieht, lässt einem staunen. Er geht offen um mit all dem. Er hat keine Angst, redet Klartext. Er wird genau beobachtet, wie es heute hieß. Dennoch bleibt er gelassen. Jesus ist getragen vom Vater im Himmel. Er ruht in ihm.
Lukas hält das für wichtig. Und er sagt über Jesus: „Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, erzählte er ihnen ein Gleichnis“ (Lk 14,7).
Was will Jesus? Ganz sicher will er nicht beschämen. Ein Gleichnis, eine Geschichte, ein Beispiel… Jesus ist erfüllt von seiner Aufgabe, seinem Auftrag und er nutzt die Gelegenheit, sein Gottesbild weiterzugeben.
Jesus selbst weiß sich von Gott ganz angenommen. Deshalb ist er gelassen. Deshalb ruht er in sich. Genau das gibt er weiter. Das ist seine Botschaft: Er will beschreiben, was zum Reich Gottes gehört – Getragen-sein – ein Fundament haben für das Leben in Gott – Angenommen sein. Tatsächlich, die Alternative zur menschlichen Realität kennen wir. Wie mühsam ist es doch, wenn man sein Leben und seinen Wert, sein Ansehen immer wieder vom Status und der Beurteilung anderer abhängig machen muss. Wie viele „likes“ bei Facebook, Instagramm, Tik-Tok muss man haben? Da ist man der Überzeugung: Ich bin, was die anderen von mir denken. Nur Zweiter zu sein, heißt nicht: Silbermedaille, sondern: Du hast verloren. Bist ein Versager! Und wenn dich jemand übersieht. Schrecklich! Oder zurücksetzt, oder ignoriert: Noch schlimmer!
Bis hinein in die unbewusste Wahrnehmung prägt das das Leben vieler heute. Konkurrenz, Eifersüchteleien, die Vorzüge der anderen… Immer wieder begegnet es einem. Was kostet das alles an Energie, sich damit auseinander zu setzen? Und doch werden nur Fassaden gebaut, Theaterkulissen… Innendrin ist Leere, Unzufriedenheit, Verkrampfung, Angst…
Die Folgen: Flucht. Viele straucheln, flüchten in Ersatzwelten, Spielwelten am Computer, in Alkohol, Drogen, fühlen sich überfordert und unverstanden, abgelehnt und nicht angenommen. Werden deshalb heutzutage so viele „selfie’s“ gemacht? Damit man zumindest sich selbst sehen kann. – Gewinnen wir so Ansehen? Machen die Klick’s in den sogenannten sozialen Medien den eigenen Wert aus?
Jesu öffnet nicht nur den Pharisäern damals die Augen.
Seine Belehrung: Vor Gott musst du kein Theater spielen. Du brauchst dich nicht aufblasen oder großmachen. Du brauchst dir keinen besonderen Platz auszusuchen, wenn du einen Platz im Herzen Gottes hast. Er kennt dich. Er schenkt mir und dir den Raum, den wir tatsächlich brauchen, um in den wirklichen Fähigkeiten und Gaben zu wachsen, schließlich hat er sie gegeben. Er sagt zu mir: „Komm mein Freund, meine Freundin, rück auf!“ Er gibt das Ansehen, das ich brauche. Das ist gut so. Gott schaut dich liebevoll an.
Natürlich bleiben die Maßstäbe der Welt bedrängend. Das Evangelium, was zählt das schon?
Sagen wir es deutlich: Viele unserer Zeitgenossen haben sich von ihm verabschiedet. Wenn aber wir, bei denen Jesu Wort ankommt, zu leben suchen, was da in uns angestoßen wird, dann geschieht Veränderung auch für die Welt. Wenn wir uns den Anstoß des Evangeliums zu Herzen nehmen, dann beginnt Großes. Der Weg Gottes zur Veränderung zur Erlösung beeinflusst den „Mainstream“, indem er durch das Herz jedes einzelnen Menschen führt. Durch die Herzen damals und durch unsere heute.
Jesus ermutigt uns, in unserer kleinen und in der großen Welt andere Maßstäbe anzulegen; seine Maßstäbe, Gottes Maßstab. Wir dürfen mit den Augen Gottes schauen und mit Jesus in seinem Namen handeln So geben wir dem Ansehen und Angenommensein von Gott her Hand und Fuß. Deshalb zeichnet der Herr in seinem Gleichnis auch das Mahl der Armen, der Kranken, der Sünder auf. Gottes Maßstab ist seine Liebe.
Also: Wenn du ein Essen gibst… Wenn du dich den Mitmenschen zuwendest…
Wer mit Jesus und damit mit Gott selbst den Blick auf die Menschen richtet, wer die Not in sein eigenes Herz lässt, der begreift letztlich wieviel Barmherzigkeit er selbst braucht. Wer im verlorenen Blick eines altersverwirrten Mitmenschen die Sehnsucht Gottes entdecken kann, wer in den ausgestreckten Händen eines Hungernden, eines Obdachlosen die ausgestreckten Hände Gottes sieht, wer in der depressiven Haltung eines psychisch Kranken die Not des Herrn am Kreuz erfährt, der wird über die Wertschätzung all dieser Menschen in der echten Begegnung auch die eigene Wertschätzung und Achtung in den Augen Gottes neu lernen. Es ist wahr: Der Weg Gottes, der Weg seiner Barmherzigkeit führt durch unsere Herzen. Dort spricht sein Herz zu unserem. Hier beginnt Verwandlung, Befreiung, Erlösung. Wenn Gott dich trägt ist vieles möglich.
Seien Sie in der Liebe Gottes gesegnet und behütet!
Ihr P. Guido