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Erst nein, dann doch!

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© Pfarrbriefservice
© Rudi Grabowski
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Predigt zum 26. Sonntag im Jahreskreis (A) Phil 2, 1-11 und Mt 21, 28-32

„Wer von den beiden (Söhnen) hat den Willen seines Vaters erfüllt?“ Die Antwort der Hohenpriester und Ältesten ist klar: „Der zweite.“ Letztlich hat er ja getan, was sein Vater von ihm wollte: Er ist in den Weinberg ge­gangen, um dort zu arbeiten.

Bei dieser Beispielgeschichte, die Jesus erzählt, ist faszinierend, was alles nicht erzählt wird:

Wir wissen nicht, was den Sinneswandel bei dem zweiten Sohn bewirkt hat. Wir wissen auch nicht, wieso er sich zuerst dem Ansinnen seines Vaters verweigert hat. Über die Motive lässt Jesus nichts verlauten. Wir hören nur, was gesprochen wird, und sehen, was ge­schieht. Das entspricht doch unserer alltäglichen Erfah­rung. Kein Mensch sieht in den anderen hinein. Wir müssen uns auf Worte und Taten verlassen, um den anderen zu verstehen. Aber selbst da, wo klare Ansagen gemacht werden, müssen die Taten dem nicht ent­sprechen. Jeder von uns wäre doch auch irritiert, wenn wir eine so klare Ab­fuhr bekämen wie der Vater von seinem zweiten Sohn und hinterher dann doch das Gegenteil erlebten. Womöglich würden wir ihm sogar noch Vorwürfe machen: Warum nicht gleich so? Wieso zuerst so ruppig und abweisend? Oder wir würden uns fragen, was dahintersteckt, irgend­eine böse Absicht. Man wäre misstrauisch.

Von all dem steht im Evangelium nichts. Es kommt offensichtlich nicht darauf an. Jesus führt keinen Gesinnungstest durch. Er erforscht nicht die tieferen Beweggründe, die Zustimmung und Ablehnung, Gehorsam und Ungehorsam gegenüber dem Vater bewirken. Allein die Worte und Taten zählen, und wo sie einander widersprechen, kommt es letztlich auf die Taten an. Das ist großartig! Selbst die größten Sünder sind im Reich Gottes willkom­men, wenn sie tätige Reue zeigen. Und dafür ist es nie zu spät. Es gibt tatsächlich diese unbefristete Chance zur Umkehr. Ich muss es noch einmal sagen: Es gibt die unbefristete Chance zur Umkehr - selbst im letzten Augenblick des Lebens!

Damit kommen manche nicht klar: Macht es wirklich keinen Unterschied, ob man sich immer schon bemüht hat, den Willen Gottes zu tun, oder ob man sich erst dazu entschließt, nachdem man lange das Gegenteil getan hat? Jesu Antwort ist klar: Wer immer zu Gott umkehrt, ist willkommen, ganz egal, wie lang sein Weg dorthin war und wann die Umkehr stattfindet. Da scheint sie auf, die unendliche Liebe und Langmut Gottes. Erinnern wir uns an das Evangelium vom vergangenen Sonntag: Die Ersten wie die Letzten erhalten das für sie Notwendige - einen Denar - das ganze Himmelreich!

Jesus ruft aber nicht nur die Sünder zur Umkehr, er warnt auch die From­men vor allzu großer Sicherheit und Selbstgerechtigkeit. Das ist besonders das Anliegen des Evangelisten für die Gemeinde, der er sein Evangelium aufschreibt: Ein Beispiel da­für ist der erste Sohn, der dem Willen des Vaters zustimmt, letztlich aber nicht gehorcht. Wer also meint, auf dem rechten Weg zu sein, ist in der Gefahr, den Willen Gottes als notwendige Lebensmaxime nicht mehr wahrzunehmen. Zu ihnen sagt Jesus an anderer Stelle: „Nicht jeder, der zu mir sagt: „Herr, Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt“ (Mt 7,21). Pseudofrömmigkeit und äußeres Getue sind der falsche Weg! Es gilt, nicht nur von der Gottes- und der Nächs­tenliebe zu reden, sondern sie tatsächlich zu praktizieren. Wie der Alltag von Liebenden immer die Aufmerksamkeit füreinander braucht, so ist es auch in der Beziehung zu Gott. Frage ich nach ihm? Nehme ich ihn wahr? Jesus macht uns aufmerksam, dass es auch hier die Möglichkeit zur Umkehr gibt. Nicht dass wir Sünder sind, macht unser Glaubensleben unglaubwürdig, son­dern dass wir Sünder sind, die sich für Gerechte halten. Aber es ist nie zu spät, endlich zu tun, was wir im Glauben bekennen.

Aber überfordert uns das nicht, die Sünder wie die Frommen, aus eigener Kraft umzukehren und unser Leben zu ändern? Wie schwer tun wir uns oft schon mit den kleinsten Kleinigkeiten! Trotzdem! In jedem Menschen hat Gott durch seinen Geist die Möglichkeit geschaffen, sich seiner schöpferischen Lebenskraft zu nähern: das Gewissen. Als seine Geschöpfe sind wir eingebunden und geprägt, immer wieder zu unterscheiden zwischen Gut und Böse. Das bleibt eine Lebensaufgabe und ist manchmal auch eine Zerreißprobe. Der Apostel Paulus hat die gleiche Erfahrung gemacht: „Ich tue nicht das, was ich will, son­dern das, was ich hasse“ (Röm 7,15). Den Menschen gibt es nicht, der keine innere Zerrissenheit erlebte. Auch der Glaube macht uns davon nicht endgültig frei. Und so bleibt am Schluss zu fragen, ob nicht der gute Wille allein schon seinen Wert hat. Wer das Gute will, es aber nicht restlos fertigbringt, ver­dient dennoch unsere Anerkennung und wird sie sicher auch von Gott bekom­men.

So hat Jesu Gleichnis von den zwei Söhnen allen etwas zu sagen: Die ei­nen ruft es dazu auf, ihre Abwehrhaltung aufzugeben und sich dem Wil­len Gottes zu öffnen. Die anderen ermuntert es, Gottes Willen nicht nur zuzustimmen, sondern auch zu tun, was er verlangt. Den dritten spendet es Trost, wenn sie hinter dem Anspruch Gottes und ihrem eigenen zu­rückbleiben, weil auch der gute Wille schon zählt und seinen Wert hat. In allem will Jesus uns Mut machen, uns ganz von Gott in Anspruch nehmen zu lassen, mit unserem Wollen und Vollbringen, mit unseren Worten und unseren Taten.

Im Abendgebet der kleinen Brüder und Schwestern von Charles de Foucauld werden verschiedene Frage zum Tageslauf als Gewissenserforschung gestellt. Da heißt es: Haben wir diesen Tag gelebt, Herr, wie es dir gefällt? Sind wir geduldig, schlicht und liebevoll gewesen? Haben wir jenen genug Zeit gegeben, die zu uns kamen? Haben wir ihre Hoffnung beantwortet, wenn sie fragten? Wenn das alles nicht so war, Herr, verzeihe uns. Und selbst wenn es so war, es genügt nicht. Umgib uns jeden Tag mit mehr Liebe, Herr, bis zum großen Licht deiner Unendlichkeit. Amen

Seien Sie gesegnet und behütet!             Ihr P. Guido

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